Die Sachbuch-Highfives des Jahres 2020 von awogfli, thursdaynext, Geruede und Bri

2020 war ein verrücktes Jahr, nicht nur auf die Lektüre bezogen – manch eine*r wurde komplett aus dem Leserhythmus geworfen, andere dagegen lasen einfach anders. Sachbücher zum Beispiel, wurden zur beliebten Lektüre, in der die Realität jede vorstellbare Romanvorlage zumindest teilweise übertraf.

awogfli

 

Animal Spirits – Oliver Tanzer

Dieses Sachbuch beschäftigt sich mit einem nachhaltigen globalen Wirtschaftskonzept und nimmt dabei Anleihen aus der Natur, respektive aus der Pflanzen und Tierwelt. Die dargestellte Konzepte und die trefflichen Analysen vom Wirtschaftsjournalisten Tanzer haben mich schlichtweg vom Hocker gerissen – auf Englisch würde man es als mindblowing bezeichnen. Schon im Jänner diesen Jahres war für mich eindeutig klar, das Buch muss auf meine Bestenliste. Der Autor hat hier sehr viel Innovatives und Neues zu einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung zusammengetragen und es auch noch in eine einfache logische Sprache verpackt, dass es auch nicht Wirtschaftswissenschaftler sehr gut nachvollziehen können.

Lebenswerk – Alice Schwarzer

Diese sehr untypische Biografie hat mir die Tage vor Weihnachten sehr versüßt und auch eine absolute Berechtigung auf meiner Sachbuch-Bestenliste, denn sie ist mehr eine unaufgeregte feministische Themenschau, denn eine unbescheidene Autobiografie, garniert mit Hintergrundinformationen, Analysen und Reportagen, der persönlichen Meinung von Schwarzer mit biografischen Auflockerungen. Großartig und auch für Männer sehr interessant.

Wen kümmert#s? Die (un-)sichtbare Sorgearbeit in der Gesellschaft – Elisa Thomaselli (Hrsg.)

Ein ganz untypisches Sachbuch steht auf Platz 3 meiner Bestenliste, denn es wurde vom Verlag des Gewerkschaftsbundes herausgegeben und normalerweise greife ich nie zu so etwas. Die Mitarbeiterin am Stand der BuchWien insistierte aber hartnäckig und hat mir das Buch sogar nachgeschickt, weil ich es nicht nehmen wollte. Was für eine große positive Überraschung war dann dieses wunderschöne farbige Werk zum Thema Sorgearbeit: über Pflegesysteme in einzelnen EU Ländern, Hausarbeit, Jugendarbeit, Familie und Freiwilligenarbeit, vor allem in Österreich. Irgendwie stellte es sogar das perfekte Pendant beziehungsweise die Ergänzung mit statistischen Daten und Hintergrundinformationen zu Alice Schwarzers Lebenswerk dar, da sehr viele Themen deckungsgleich abgehandelt wurden.

Romane schreiben – Gustav Ernst und Karin Fleischhanderl

Diese für mich ausgezeichnete, kurze, kompakte, knackige und gut zu lesende Einstiegslektüre mit vielen praktischen Beispielen zum Schreiben von Romanen musste auch auf meine Liste, obwohl ich zugeben muss, dass meine Beurteilung einen sehr subjektiven Blick auf diesen Ratgeber darstellt, da ich noch nie einen solchen gelesen, und dadurch auch kaum Vergleichsmöglichkeiten habe. Auf jeden Fall hat mir der konsistent und logisch aufgebaute Leitfaden sehr gut gefallen, gerade weil er so kurz war. Für Profis aber sicher nicht geeignet, für mich perfekt.

Nerds retten die Welt – Sibylle Berg

Obwohl ich nicht ganz so begeistert war, wäre es unfair, dieses Sachbuch komplett von meiner Bestenliste zu verbannen. Die Autorin führt mit Forscher*innen aus unterschiedlichsten Disziplinen Interviews, was die Wissenschaft vom Elfenbeinturm herunterholt und ihren Beitrag zur Gesellschaft erklärt. Wenn die letzten 3-4 Interviews weggelassen, beziehungsweise nicht gelesen werden, hätte es sich im Ranking weitaus höher eingereiht. Besonders hervorzuheben ist auch die Anwendung von sehr innovativer Quellentechnik. Natürlich nix für Leute, die nicht an Wissenschaft „glauben“. Das Buch hat sich in diesem Jahr 2020 auch aus aktuellem Anlass – weil die Wissenschaft heuer eine sehr bedeutende Rolle spielte – seinen Platz an der Sonne redlich und schwer erkämpft.

Bri

Ein Mann seiner Klasse – Christian Baron

Im Grunde kein Sachbuch, aber für mich auch nicht wirklich ein Roman – ich bin mir nicht sicher, in welcher Schublade ich dieses außergewöhnliche Buch stecken soll, außer in die der MUST READ Abteilung.  Wer HIllbilly Elegie gut fand, der kommt an Barons Buch nicht vorbei.

Kat Menschiks & des Diplombiologen Doctor Rerum Medicinalium Mark Beneckes illustrirtes Thierleben

Spannend, interessant, verbindend, erhellend und witzig – welches Sachbuch kann das alles in sich vereinen und ist noch dazu so extrem schön illustriert? Mir ist kein anderes bekannt. Lesestoff nicht nur Nerds.

In Shape – Anne-Sophie Monrad

Dem Modelbusiness direkt auf die Finger geguckt. Hier ist Bewegung auf vielen Ebenen notwendig um diese Branche menschlicher zu machen. Ein Buch, das vor allem junge Menschen lesen sollten, die in diesem Bereich tätig werden wollen, um gewappnet zu sein.

Losing Earth – Nathaniel Rich

Auch wenn Covid19 das allüberstrahlende Thema des Jahres 2020 war, die Klimakrise ist weiterhin aktuell und was wir heute erleben, haben Wissenschaftler vor 30 Jahren bereits recht genau vorausgesagt. Rich protokolliert das fundiert.

Die Kraft des Handelns – Alicia Garza

I can’t breathe – wem ist George Floyds Geschichte nicht durch Mark und Bein gegangen? Und dabei ist er leider nur einer von einer ganzen Anzahl von PoC, die aufgrund ihrer Hautfarbe auch in diesem Jahr wieder zu Tode kamen, ja eigentlich muss man sagen, ermordet wurden. Alicia Garza ist Mitbegründerin der #blacklivesmatter Bewegung und zeigt in ihrem erstaunlichen Buch auf, wie es dazu kommen konnte, dass das heutige Amerika immer noch rassistisch geprägt ist und wie man Bewegungen bildet, die gegen vielfache soziale und andere Missstände angehen können. Unbedingte Leseempfehlung.

 

Geruede

 

Das All und das Nichts – Stefan Klein

Geniale Revue des Universums, die so hoffnungsvoll die Schönheit, Komplexität und Brillanz unseres Daseins aufzeigt. UNBEDINGT LESEN.

Am Rande der Welt – eine Geschichte der Nordsee von Michael Pye

Michael Pye bringt uns die spannende und dunkle Zeit nach dem Abzug der römischen Truppen aus dem Nordseeraum sehr fundiert und eloquent nah. Dabei räumt er mit einigen falschen Vorstellungen auf. Zum Beispiel wo der Einfluss von Mode seinen Anfang nahm. Großartiges Buch für Geschichtsinteressierte und andere.


thursdaynext

Die Wettermacher – von Andrew Blum

Alles rund um die Wetterbeobachtungen und Vorhersagen. Launig rübergebracht, mit liebevoll erzählten historischen Hintergrundgeschichtchen hat mich Andrew Blum sowohl komplett gefesselt und bereichert. Zu erfahren, wie komplex dieses System ist und wer wo weltweit daran mitarbeitet war spannend und Staunen erzeugend.

Die Wölfin – Nate Blakesly

Naturbeobachtungen, Raubtiere, alles was man sich wünschen kann. Die Berichterstattung zeigt nicht nur eine Seite, sondern weckt auch Verständnis für die Gegner der Wölfe, die politisch instrumentalisiert werden. Ein faszinierende und berührendes Buch.

Mit dem Wind – von Nick Hunt

Der Reiseschriftseller und Journalist Nick Hunt scheint ein wenig verblasen zu sein, im positivsten Sinne, da hatscht er, vom Winde verweht den lauen bis heftigen Lüftchen hinterher latscht er durch die Gegend und macht was er wirklich bestens beherrscht, erzählen. Bläst einen um!

Podcast – Wohlstand für alle von Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt

Im weitesten Sinne ein Sachbuchhighlight ist dieser von mir recht neu entdeckte Podcast. Beziehen sich die beiden Initiatoren doch auf etliche Werke und Autoren rund um das Thema Finanzen und ihre Auswirkungen auf Gesellschaft und Menschen, ab und an wird es philosophisch, immer ist es gut dargestellt und gibt Anlass darüber zu sinnieren, sich die eigene Meinung besser bilden zu können und noch dazu ist der Podcast unterhaltsam gestaltet. Angenehme Sprecherstimmen inklusive, die wohltuend sachlich berichten.

Sapiens – Noah Harari

Harari teilte seine faszinierenden Ideen über die menschliche Evolution, Geschichte und potentielle Zukunft in drei Büchern, die für mich unter must have Kultur fallen. Das Comic ist das Schmankerl obendrauf und so schön bunt. 😉

5 Gedanken zu “Die Sachbuch-Highfives des Jahres 2020 von awogfli, thursdaynext, Geruede und Bri

  1. Ja, die Stapel … nun ja, sollten uns nicht aufhalten. Das All und das Nichts tut einfach sehr gut und ist auch ganz schmal, dennoch inhaltvoll, nimmt jedenfalls nicht viel Platz im Regal weg 😉

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  2. @macke1979 Der Ratgeber ist für Einsteiger sehr gut geeignet – für Profis ist er wahrscheinlich zu dünn 🙂 auch von mir liebe Grüße und ich hoffe Du bist gut ins Neue Jahr gerutscht

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  3. Ja, das All und das Nichts ist tatsächlich auch eine philosophische Auseinandersetzung, die noch dazu in wunderschöner Sprache und mit einem ganz wunderbaren Blich auf das Alles abgefasst ist. Ein wirkliches Kleinod. Besprechung wird auch noch folgen … LG und ein gutes neues Jahr!!

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  4. Der Ratgeber zum Thema Romane schreiben klingt auf jeden Fall nach einer interessanten Lektüre, die ich mir vielleicht (aber eben auch nur vielleicht) tatsächlich einmal zulegen werde. „Das All und das Nichts“ klingt ebenfalls mehr als nur ein bisschen interessant, zumal der Titel vermuten lässt, dass sich hier auch mit so manchen philosophischen Fragen auseinandergesetzt wird.

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