„Einhörner, die auf einem Friedhof aufstampfen.“

Selten fand ich ein Buch derart grandios und zugleich war mir der Ich-Erzähler so, ungreifbar, unsympathisch. Ich forsche noch immer woran das liegt. Ocean Vuongs Roman Debüt ist stilistisch großartig. Poetisch, mitreissend, fast schon vereinnahmend erzählt und erweitert das USA Bild nicht nur um die Erfahrungen vietnamesischer Einwanderer und Kriegsflüchtlingen, die ihre Geschichte immer bei…

Orientalische Tage und Nächte

Marwand ist 12 Jahre alt und lebt mit seiner Familie in Amerika, doch seine Wurzeln liegen in Afghanistan. Für einen langen Sommer kehren seine Eltern mit ihm und seinen Geschwistern 2005 zurück in die alte Heimat. Aber ist es das noch? Heimat? Marwand hat sprachliche Schwierigkeiten, er spricht besser Englisch als Paschto, sein Farsi ist,…

Demut

Ein schmales Bändchen hat die Topautorin aus Frankreich da auf den Markt gebracht, aber die meisten Bücher von ihr sind dankenswerterweise keine Wälzer und dieses hier ist eine wunderbare Bereicherung und wieder einmal der Beweis, dass manchmal auch in der Kürze die Würze liegt und nicht alles auf 500 Seiten episch ausgebreitet werden muss, um…

Der Krieg als Vater aller Dinge produziert verwahrloste, verlorene Kinder

Dieses beachtliche Roman Debüt von Lucia Leidenfrost erinnert vom Setting und von den moralischen Implikationen her an den Roman Der Herr der Fliegen, wurde aber ein bisschen entstaubt, modernisiert, uns von der Kultur her näher gerückt und auch geografisch an unsere Breitengrade angepasst. In einem verlassenen Dorf sind fast alle Erwachsenen infolge eines Krieges weggezogen,…

Wo komm ich her und wo gehör ich hin

Bei preisgekrönten Büchern, vor allem wenn ein Werk den deutschen Buchpreis erhalten hat, erlaube ich mir immer, vorab ein knackiges Fazit anzubringen – inklusive einer persönlichen Wertung, ob der Autor meiner Meinung nach die Auszeichnung verdient hat. Ist es ein wichtiges Buch – Ja absolut wichtig. Hält es, was der Hype verspricht? – Ja. Hat…