Dem Internationalen Frauentag begegnete ich zum ersten Mal in Form eines Aufklebers in einer Toilettenwand in der Uni Erlangen. Merkwürdigerweise hatte ich davon noch nie etwas gehört, obwohl ich gerne und bis zu diesem Zeitpunkt meiner Meinung nach auch zahlreich, Bücher von Autorinnen gerade auch mit feministischem Fokus gelesen hatte. Als ich 2005 nach Berlin zog, erfuhr ich, dass dieser Tag hier und in den ostdeutschen Bundesländern sehr viel schwerer wog, als im früheren Westdeutschland, aus dem ich stamme. In den letzten Jahren lernten wir alle weiter, versuchten, Frauen in der Literatur sichtbarer zu machen. Verschiedene Aktionen wie #frauenlesen oder #frauenzählen haben dazu beigetragen, einen anderen Blick auf die literarische Landschaft Deutschlands zu werfen. Tatsächlich lese ich nicht, wie es manche tun, extra nur noch Bücher von Autorinnen, aber ich genieße die Auswirkungen der Aktionen sehr. Haben sie doch die Räume für Frauen in der Literatur weiter gemacht und ein – für mich – frisches Erzählen gefördert. Was es hier an Schätzen zu heben gibt, will ich euch nur kurz und in einer kleinen Auswahl zeigen.
Die Bücher, die ihr hier seht sind zum Teil schon lange sowohl in meiner physischen als auch in meiner gedanklichen Biblliothek eingezogen. Mit jeder der einzelnen Lektüren ist etwas verbunden, jede der einzelnen Lektüren ist ein Stück von mir geworden.
Begonnen hat alles – zumindest meiner Erinnerung nach – mit Simone de Beauvoir und Alice Walker. Zwei Frauen, deren Lebenssituationen zumindest am Anfang ihres Lebens nicht unähnlicher hätten sein können. De Beauvoir privilegiert, weil in bürgerliche, intellektuelle weiße Pariser Kreise geboren, Walker das letzte von acht Kindern, ihre Eltern waren Farmpächter im Süden der USA. Und doch hatten sie auch vieles gemein, mussten einige Entbehrungen hinnehmen. De Beauvoir musste zwei Weltkriege in Europa erleben, ihre Familie verarmte aus unterschiedlichen Gründen bereits zum Ende des ersten Weltkrieges, Walker wurde kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs geboren und erlitt im zarten Alter von acht Jahren eine Augenverletzung, die sie auf einem Auge erblinden ließ. Diese Verletzung brachte sie dazu, sich zurückzuziehen, zu lesen und selbst Gedichte zu schreiben. Sowohl de Beauvoir als auch Walker waren bereits in frühen Jahren gesellschaftspolitisch aktiv. Vor allem aber hatten sie natürlich eines gemeinsam: Sie waren Frauen in einer Männerwelt und schrieben darüber.
Und genau das war es, was mich an all den Autorinnen faszinierte, die ich nach und nach entdeckte. Als Die Farbe Lila 1982 erschien, war ich zarte 14 Jahre alt – entdeckt habe ich den Roman nachdem Steven Spielberg das Buch mit Whoopi Goldberg in der Hauptrolle 1985 erfolgreich verfilmt hatte. Aber auch mit fünfzehn oder sechzehn Jahren las ich das Buch sicherlich anders, als ich es später erneut tat. Und so geht es mir mit vielen der gezeigten Autorinnen und Ihren Büchern.
Frühe Lektüren waren wie gesagt de Beauvoir und Walker, aber auch Hannah Arendt, Marilyn French, Joan Aiken und Benoîte Groult. Viele LIeblignsautorinnen habe ich findigen Menschen zu verdanken (ich bin mir nicht sicher, glaube aber zu wissen, dass es vor allem Frauen waren, die diese Wiederentdeckungen machten), die vergessene Autorinnen wieder zugänglich machten. Ein Herzstück meines heutigen „Büchertisches“ ist nicht von ungefähr aber ein Buch, das unterschiedlichsten Dichterinnen und Denkerinnen aus verschiedenen Zeiten Aufmerksamkeit schenkt und ein wahres Juwel ist, weil es einen unglaublich fundierten und leuchtenden Blick auf die Lebensumstände dieser Frauen wirft, die eben trotz dieser Umstände das taten, was ihnen eigentilch nicht zugestanden war: Schreiben und sich damit ein eigenes Einkommen zu verschaffen. Danke dafür an Katharina Herrmann – wer das Buch noch nicht kennt, soltle diese Lücke baldmöglichst schließen.
Um euch die Identifizierung meiner Schätze ein wenig einfacher zu machen, hier eine Liste der gezeigten Titel – ein paar wenige wurden tatsächlich auch auf dem Blog vorgestellt.
- Hannah Arendt – Wie ich einmal ohne Dich leben soll, kann ich mir nicht vorstellen
- Annalena McAffee – Zurück nach Fascaray
- Ingeborg Bachmann – Malina
- Dorothy Baker – Zwei Schwestern
- Simone de Beauvoir – Das andere Geschlecht
- Lilian Beckwith – Ein frischer Wind vom Meer
- Jetta Carleton – In Frühlingsnächten
- Emma Carr – Kleewyck – Die, die lacht
- Kate Chopin – Das Erwachen
- Joan Didion – Woher ich kam
- Patricia Duncker – James Miranda Barry
- Jane Gardam – Eine treue Frau
- Lauren Groff – Matrix
- Katharina Herrmann – Dichterinnen & Denkerinnen. Frauen, die trotzdem geschrieben haben
- E. Annie Proulx – Schiffsmeldungen
- Mary Renault – Freundliche junge Damen
- Helga Schubert – Vom Aufstehen
- Patti Smith – Im Jahr des Affen
- Alice Walker – Die Farbe Lila
Meine Lieblingsbücher von Autorinnen sind mittlerweile in ein eigenes Regal gezogen, nicht weil sie es nicht neben ihren männlichen Kollegen ausgehalten hätten, sondern, weil ich sie so einfach griffbereiter habe. Und da ich ein neugieriger Mensch bin, freue ich mich von euch darüber zu hören, ob ihr besondere Lieblingsautorinnen habt und wenn ja, welche und weshalb.

Ja klar, das weiß ich, dass Du ja seit Jahren quasi Deine Challenge am laufen hast. Meine Liste ist einfach eine sehr subjektive und dass da einiges fehlt, auch aus meinem Regal, ist schon auch klar. Simone de Beauvoir ist auf jeden Fall ein Muss, will man sich mit den feministischen Grundannahmen auseinandersetzen. Ihre Romane begleiten mich schon lange und haben meine Gedankenwelt auch ganz schön geprägt. LG Bri
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@Bri Supa Liste, ich hätte da eine eigene ellenlange Liste, denn Du weißt ja, ich lese tatsächlich seit 2017 gezielt Autorinnen nach Liste, habe da einige Juwelen entdeckt und entdecke auch jedes Jahr wieder neue. Von den Klassikern fehlt mir noch Simone de Beauvoir (Schande über mein Haupt) das muss ich unbedingt noch machen.
@Alexander
Sehr gute Ergänzung von Bris Liste. Die Kinder der Toten von der Jelinek fehlt mir auch noch – leider hab bisher nur die Klaviersprielerin gelesen und bei den Lockvöglen musste ich aufgeben. Lust liegt noch irgendwo auf meinem SUB
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Sehr gerne! LG
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Ja, deine Liste ist toll. Ein paar kenne ich gar nicht, und werde sie mir mal notieren! Danke dafür!!
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Super Ergänzung, lieber Alexander. Tatsächlich habecich bei meiner Auswahl heute extra ein paar Bücher / Autorinnen mit aufgenommen, die noch nicht so viel Sichtbarkeit erfahren haben, wie ichves mir wünschen würde. Dennoch ist Deine Listenergänzung ganz eindeutig wichtig. LG Bri
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Meine Lieblingsautorin wäre ja schon eine auf der Liste, Ingeborg Bachmann, aber nicht fehlen darf für mich:
Virginia Woolf – Zum Leuchtturm, wegen der unnachahmlichen Weise die Leerstelle zu beschreiben, die die Mutter hinterlässt;
Elfriede Jelinek – Die Kinder der Toten, weil die Gefahr der Gewalt über allem schwebt;
Emily Dickinson – weil mit ihr die Natur und das Gefühl ozeanische Melodien eingehen;
Christa Wolf – Kassandra, weil dort das Mythische in das Aufklärerische umschlägt;
Brigitte Reimann – Franziska Linkerhand, weil dort ein Emanzipationsprozess poetologisch eingefangen wird, der gesamtgesellschaftliche Perspektiven enthält …
nur als kleine fröhliche Ergänzung. Einen wunderbaren Weltfrauentag!! Gruß!
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