Fünf, sechs, sieben, acht! **Gastbeitrag**

Nachdem wir neulich unsere „Abbrüche“ mit Euch geteilt haben, hat sich bei mir, Birgit, meine Freundin Friederike Weimar gemeldet, mit der Information, dass es ihr ABSOLUT anders ergangen ist mit dem neuen Titel von Ewald Arenz. Und da wir ja kein Buch schlechtreden, sondern lediglich unsere Lese-Erlebnisse mit Euch teilen wollen, veröffentlichen wir heute ein flammendes Plädoyer für Arenz, denn Friederike hat den neuesten Roman von Ewald Arenz begeistert durchgeschmökert. So begeistert, dass sie uns diese formvollendete Buchbesprechung zugeschickt hat. Es folgt nun also ein Gastbeitrag!

„Im Mittelpunkt des Romans steht die Figur des 60-jährigen Stepp-Tänzers Anton. Er hört Rhythmen, überall, das Rotieren von Rädern, das Knacken von Ästen, das Rauschen des Windes. Alles lässt sich in Tanz umsetzen. Am liebsten tanzt er draußen. Er hat sich eine kleine faltbare Tanzfläche gezimmert, mit der er häufig per Rad zu einem Waldfriedhof fährt. Arenz gelingt es durch diese Figur, Natur-, Stadt- und Landschaftsbeschreibungen eine ungewöhnliche Facette zu geben, die sich als zusätzliche Ebene von Metaphern lesen lässt. Für meinen Geschmack hätte er diese Idee noch viel expliziter nutzen können.

Zum Plot: Die Erkenntnis der Endlichkeit seiner Existenz erwischt Anton unvorbereitet. Er schaut auf die 60 Jahre seines Lebens zurück: Wichtige Rollen spielen darin eine verlorene Liebe aus der jungen Erwachsenenzeit, eine reife Liebe und eine inzwischen erwachsene Tochter, die aus dieser zweiten Liebe entstanden ist. Das Bühnenbild für dieses Setting sind das Theater und die Tanzschule – seine Wirkungsstätten. Anton kämpft mit der Erkenntnis, dass er alt wird, dass sein Leben nicht mehr bis in die Unendlichkeit so weiterlaufen wird wie bislang. Seine Angst davor schlägt sehr häufig in Wut um. Er fühlt sich betrogen von der ersten Liebe, von der eigenen Tochter, von den Kollegen im Theater – ein wenig vom Leben, obwohl er gar nicht komplett unglücklich über dessen Verlauf ist. Und natürlich haben auch die Menschen, die sein Leben geteilt haben, ihre Gründe, gute Gründe, für ihr Verhalten, damals und heute. Und ja, er hat sich auch nicht immer richtig verhalten.

Arenz beschreibt die Zweifel am vergangenen Leben, die Angst vor dem endgültigen Verlust von Vielem, das ihm wichtig ist, und die Unsicherheit darüber, wie es weitergehen wird. Dafür scheint zunächst die längst überfällige Orientierung über den eigenen Standpunkt im Jetzt fällig. Das Ganze in der typisch schnörkellosen Arenz‘schen Manier.
Für mich, die ich in ein paar Jahren auch 60 werde, gut nachvollziehbar.“

Ich danke Friederike fürs Teilen dieser Sicht auf den Roman und muss ehrlich sagen, jedesmal, wenn ich ihren Text lese, denke ich: Was für ein Buch, will ich sofort lesen! Also vielleicht probiere ich es einfach in ein paar Wochen noch einmal!

„Fünf, sechs, sieben, acht“ von Ewald Arenz ist 2026 als Hardcover bei Dumont erschienen. Weitere Informationen bei Klick auf das Cover oder auf der Verlagsseite.

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