Bo und Sixten

Ich habe schon so manchen Roman gelesen über das Älterwerden und das Alter und manchmal laufen diese Geschichten doch sehr nach Schema F ab: Einige sind rührselig und verklärend, andere wiederum so realistisch, dass es einem solche Angst macht, dass man gar nicht mehr weiterlesen mag. Da innerfamiliär auch bei uns in den letzten Jahren Großeltern verstorben sind, war das Thema doch sehr nah an mir dran und ich dementsprechend skeptisch. Doch nach anfänglichem Fremdeln hatte mich die Geschichte gepackt!

Bo ist ein 89-jähriger ehemaliger Sägewerksarbeiter im ländlichen Nordschweden. Er lebt mehr schlecht als recht allein zu Hause, seit seine Frau Fredrika ins Pflegeheim gekommen ist, da sie schwer dement ist und er sie nicht mehr allein pflegen konnte. Bo ist kein einfacher Typ, er ist stur, er ist verbittert und, man ahnt es, kein Mann der großen Worte. Emotionen zu äußern, ist ihm fremd.

Seine Welt besteht seit dem Weggang seiner Frau aus kurzen Besuchen des Pflegedienstes und vor allem den Notizen, die diese (wechselnden) Personen hinterlassen und aus seinem Hund Sixten. Als Bos besorgter Sohn Hans beschließt, dass Bo zu gebrechlich für den Hund ist und das Tier weggeben will, bricht ein stiller, aber erbitterter Kampf aus.

Was dieses Buch so authentisch macht, ist Bos Perspektive. Sein Tonfall ist absolut schnörkellos und unpathetisch – sehr passend zu seinem Charakter und zu der Schonungslosigkeit, mit der die Einsamkeit über einen hereinbricht, wenn kaum noch etwas vom früheren Leben übrigbleibt. Selbstbestimmung war mal, nun wird über Bos Kopf hinweg entschieden.

Hier geht es um verpasste Worte und Momente zwischen Vätern und Söhnen, um das Alleinsein und um das treue Herz eines Hundes. Ehrlich, leise, traurig und in dieser gelungenen Mischung sehr unter die Haut gehend.

„Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“ von Lisa Ridzén ist 2026 als Hardcover bei btb erschienen. Weitere Informationen bei Klick auf das Cover oder auf der Verlagsseite.

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