Nirvana ist gegessen, Virtualvana ist angesagt

Das Verspechen auf Unsterblichkeit in digitaler Ewigkeit nach dem Tod des Individuums, es geht mir dermaßen auf den Keks. Woher kommt diese Hybris? Diese Überschätzung der eigenen, kleinen, unwichtigen Persönlichkeit? Diese Urangst vor der Auslöschung und Auflösung. Uridee und Verkaufsschlagerheilsversprechen aller Religionen? Haben die kritischen, aufgeklärten Menschen die naiv christliche, sich verzweifelt an die eigene…

Dysfunktionale Sprache

Dieser Roman war für mich heuer bisher die größte positive Überraschung, er hat mich in seiner Kuriosität, durch den schrägen Plot, die klugen tiefen Analysen, die wunderbare Sprache und den Sprachwitz regelrecht vom Hocker gerissen. Die völlig abgefahrene, intellektuell höchst anspruchsvolle, teilweise gruselige Geschichte hat mich in ihr Kaninchenloch hineingesogen und einfach nicht mehr losgelassen.…

100% Saft

Klassische Coming-of-Age Geschichten gibt es – zumindest ist das mein Eindruck – in den Verlagsprogrammen des ersten Halbjahres 2021 sehr viele. Ein paar davon habe ich bereits gelesen, beziehungsweise bin noch dabei. Da wäre zum Beispiel Benedict Wells mit Hard Land zu nennen, ein Roman, der mich als Kind der 80er-Jahre mit der dazu gehörigen…

„Einhörner, die auf einem Friedhof aufstampfen.“

Selten fand ich ein Buch derart grandios und zugleich war mir der Ich-Erzähler so, ungreifbar, unsympathisch. Ich forsche noch immer woran das liegt. Ocean Vuongs Roman Debüt ist stilistisch großartig. Poetisch, mitreissend, fast schon vereinnahmend erzählt und erweitert das USA Bild nicht nur um die Erfahrungen vietnamesischer Einwanderer und Kriegsflüchtlingen, die ihre Geschichte immer bei…