Frauenleben in unruhigen Zeiten

Diesmal möchte ich von zwei Büchern berichten, die beide in den USA spielen und von den dortigen politischen Verhältnissen erzählen. Aus sehr unterschiedlicher Perspektive und verschiedenen Genres. Beide habe ich kurz nacheinander gelesen.

„Yesteryear“ von Caro Claire Burke wurde so gehypt, dass ich es unbedingt lesen wollte, nicht nur weil es mich verfolgte, sondern auch wegen der interessant klingenden Geschichte. Aus dem Jetzt zurückversetzt in die Pionierzeit des wilden Westens, das lockte.

„Kaputt“ von Alison Bechdel ist ein Comicroman.

Frauen sind die Hauptfiguren beider Romane. Natalie in Yesteryear, jung, hübsch, brainwashed aufgewachsen in einer christlichen Sekte und Alison, älter, lesbisch und links, die sich diese kaputte Welt zunehmend deprimierter betrachtet, deren Versuche sie auszublenden aber permanent scheitern.

 

Natalies Lebensgeschichte ist pure Fiktion, Alison Bechdel berichtet aus ihrem eigenen Leben mit kleinen Verfremdungen wie sie in Interviews betont.

Den Romanen gemein ist ebenfalls, zumindest teilweise, die Zeit in der sie spielen Maga, Trump, eine gespaltene US- amerikanische Gesellschaft.

Natalie bekommt viele Kinder und führt auf Social Media ein Tradwife Traumleben auf einer Farm und erzählt dabei bitterböse vom Leben als Frau in fanatisch, religiös konservativen Kreisen nachdem sie noch viel kritischer die „woken“ modernen Frauen an ihrer Uni beobachtet hat. Sie ist angewidert von deren, wie sie glaubt, vorgezeichneten Lebensentwürfen.

Alison ist auch im Buch Comicautorin und hält zusammen mit ihrer Frau Ziegen auf einer Farm in Vermont, wo sie in ihrer kleinen ökolinken AktivistInnenblase entsetzt die Entwicklung der Welt und den Zerfall ihrer Hoffnungen auf ein besseres Leben für alle beobachtet. Ihr Altruismus und die daraus erwachsende permanente Herausforderung unterscheidet sie auch eklatant von Natalie, die als Influencerin ihre Kinder vermarktet und allgemein, wie ihre Mutter meint leider keine freundliche Person ist.

Beide spiegeln die jetzige US-amerikanische Gesellschaft wieder. Sozusagen The Good, the Bad and the Ugly. Die Lebenswirklichkeit von Frauen die sich weltweit zunehmend durch Backlash und Rechtsruck verschlechtern. So ist jeder dieser Romane auf ureigene Art spannend und bietet viel Möglichkeiten diese Gesellschaft zu entdecken, immer mit dem Hintergedanken, dass bisher immer alles was aus den USA kam zu uns herübergeschwemmt wurde. Politisch interessanter ist in jedem Fall „Kaputt“ schon durch die Betrachtung des Kapitalismus dessen Auswüchse zwar auch in Yesteryear deutlich zu spüren sind, jedoch nie direkt kritisch thematisiert werden.

So abgefahren Yesteryear durch die Versetzung der Protagonistin zurück in die Pionierzeit auch ist, ich habe es gerne gelesen, mich amüsiert über die fiesen Gedanken Natalies,  so gefiel mir Alison Bechdels Roman doch erheblich besser. Lässt Burke in Yesteryear viel Platz für eigene Interpretationen und bringt Magie und Plottwists zusammen, so ist sie sprachlich fast schon unangenehm zu lesen. Bechdels Erzählstil ist bunter (Sorry, Kunststück bei ‚nem Comicroman) Bilder und Texte ergänzen sich hervorragend und was das zwischenmenschliche betrifft, Bechdel taucht hier trotz weniger Text erheblich tiefer in die Charaktere ein.

Bei mir wird nur „Kaputt“ in die heimische Bibliothek einziehen, „Yesteryear“ darf ohne vermisst zu werden wieder zurück in die Stabi. Der Hype um die „gute alte Zeit“ war berechtigt, qualitativ überzeugen konnte mich der Roman dabei nicht.

Yesteryear von Caro Claire Burke erschien als Hardcover im April 2026 bei Heyne. Weitere Informationen auf der Verlagsseite.

Kaputt von Alison Bechdel ist als Hardcover im März 2026 bei Reprodukt erschienen. Weitere Informationen findet ihr auf der Verlagsseite.

 

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..