Von der Sinnlosigkeit zu wissen

Dem Buddhismus zugeschriebene weise Worte sagen es gäbe drei Wahrheiten: Jene die ich sehe, jene die du siehst und eine von der wir beide nichts wissen. Vielleicht besteht die Wahrheit aber auch aus vielen verschiedenen Schichten, wie Masser Brock, Kolumnist der „Neuen Zeit“ es sieht.

Autor Bert Wagendorp betrachtet diese recht philosophisch angehauchten Gedanken zu Wahrheit, Medien und Presse durch eben jenen Masser Brock. Masser ist Sohn „anarcholiberaler Hippieeltern“, Bruder einer Schwester die sich in hohen Regierungskreisen tummelt und die ergreifendsten Politikerreden schreibt, gastlicher Onkel und notorischer Grübler.

„Unsere Wirklichkeit ist eine Ansammlung sinnloser Tatsachen und Ereignisse. Nachrichten sind die tägliche Auswahl der sensationellsten Sinnlosigkeiten. Es ist sinnlos, Meinungen über das Sinnlose zu haben.“

Gut erzählt, angenehm zu lesen, obwohl, womöglich auch weil, Wagendorp eine mäandernde Geschichte erzählt in der es um die Historie der Zeitung, die Geschichte der Familie Masser Brocks, einen Bernhardiner, edle Uhren und das Uhrmacherhandwerk, ferne Kriege und politische Missgriffe geht.

Fasziniert verfolgt man die Entwicklung des Journalisten, seiner „Fälle“, der Zeitung,  seiner Familie und besonders seiner Gedanken. Wagendorp hat hier eine Melange aus Krimi, Thriller und Familiengeschichte mit aktuellem Bezug zur Welt erzählt. Noch dazu mit einem feinen Humor, der das Lesen zum Vergnügen macht.

Mich hat „Tanz um die Wahrheit“ dazu gebracht meinen Nachrichtenkonsum infrage zu stellen. Ich bin Nachrichtenjunkie, und egal aus welchen Quellen diese Sucht gespeist wird, selbst wenn Mensch seine für seriös und weitgehend unabhängig hält, irgendeine Form der Manipulation ist immer vorhanden. Meist mit miesen Vibes verbunden.

„Es ist aber doch eure Aufgabe die Wahrheit ans Licht zu bringen, oder?“ „Und ist das immer gut, ethisch betrachtet? Steht die die Wahrheit immer für das Gute und die Lüge für das Schlechte?“

Wer stilistisch erfreuliche, intelligente Unterhaltung mag kann hier getrost zugreifen.

Tanz um die Wahrheit von Bert Wagendorp ist im Mai 2021 als Taschenbuch bei btb erschienen. Weitere Informationen bei Klick auf das Cover oder auf der Verlagsseite.

3 Gedanken zu “Von der Sinnlosigkeit zu wissen

  1. Hallo Anne, ja sicher muss man sich informieren, keine Frage. Aber ich kenne das Phänomen auch, dass mich zu viel Information erschlägt, mürbe macht, die Menschen konsumieren Infos häppchenweise, ohne die Quellen zu prüfen und vor allem muss man auch gucken, dass man wichtige (Schmelzen der Polkappen etc.) von tatsächlich unwichtigen Infos (wer zieht auf die Alm) trennt. Das passiert leider vor allem Online (bereits durch die Redaktionen) nicht wirklich. Da ist das Stichwort Medienkompetenz schon sehr wichtig. Aber die Medien tragen schon auch dazu bei, unseren Hunger nach häppchenweiser, schnell konsumierbarer Information zu stillen. Das geht Hand in Hand und ich denke, für die geistige Gesundheit ist es durchaus wichtig, sich ab und an rauszuziehen aus dieser Fülle. Auch wenn man bewusst konsumiert. LG und einen schönen Sonntag Dir!, Bri

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  2. Hallo Anne, da hab ich wohl zuwenig geschrieben, nein, es geht nicht darum sich aus der Verantwortung rauszuwuseln, deine Beispiele sind relevante journalistische Berichte. Im Buch geht es eher um „Nachrichten“ wie Feuersbrunst in Australiens Hinterland, Kunde schlägt Krankenkassenmitarbeiterin, Promis News, und darum wie Nachrichten erzählt werden. Gleichgültigkeit entsteht auch durch sehr gehäufte Berichterstattung und ich bin ganz weit weg von allen Querdenkerideologien, aber zum Beispiel Trump ist meiner Meinung nach auch durch sogar seriöse clickbaitgeile Medien derart hochgepusht worden. Jeder teet wurde kommentiert, damit weiterverbreitet, war das sinnvoll, nötig?
    Medienkompetenz ist sehr wichtig, sollte auch wieder verstärkt an den Schulen behandelt werden sonst sind die kids nämlich oft nicht in der Lage einzuschätzen, was relevant und/oder seriös ist. Ich fürchte mittlerweile sind wir so weit, dass viele Menschen gar nicht mehr den Anspruch haben sich um eine differenzierte Meinung zu bemühen oder einfach mal zuzugeben, dass ihr Input gar nicht ausreicht eine solche zu haben. Sie haben eine Meinung und lesen, schauen Medien die diese unterfüttern, verstärken.
    Ich halte Journalismus für immens wichtig zum Demokratieerhalt. Schau ich aber in mein Lokalblatt graust es mich. Hier wird Ideologie und Meinung gemacht. Kann dir das Buch guten Gewissens empfehlen, es ist ein Roman, kein Sachbuch, doch es stellt wichtige Fragen. LG Thurs

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  3. Im Grunde kann ich gar nicht mitreden, da ich das Buch nicht gelesen habe …
    Deshalb nur mein Kommentar zu dem was ich vermute, das im Buch thematisiert wird.
    Klar kann man immer solche sehr theoretischen Fragen zur Wirklichkei, Wahrheit und das Berichten darüber stellen, da fällt mir sofort das Stichwort „Konstruktivismus“ ein. Aber in letzter Zeit wächst bei mir die Befürchtung, dass man sich durch eine solche Infragestellung (vielleicht sogar unbewusst?) aus der eigenen Verantwortung herauswieselt. Also ist das Schmelzen der Polkappen oder das Berichten über die Zunahme der Kinderarmut in D eine sensationelle Sinnlosigkeit oder eine Tatsache mit der die Welt oder das Land umgehen muss? Zugegeben ist diese rhetorische Frage sehr plakativ von mir formuliert. Und was folgt auf eine Reihe sinnnloser Ereignisse und sinnloser Informationen und Berichte darüber? Gleichgültigkeit, weil eh alles sinnlos ist?
    Und Manipulation durch die Medien ganz allgemein vermuten? Finde ich nicht so hilfreich. Irgendwie muss man sich informieren. Das wichtigste ist wohl, dass man selber stark selektiert. Sich Medienkompetenz aneignet, zugegeben recht viel Zeit investiert und die Scheuklappen ablegt um ein ausgewogenes Meinungsbild zu erlangen.

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