Mama Tandoori – autobiographische Abrechnung mit der indischen Mutter

Ernest van der Kwasts Mutter ist eine Katastrophe, ein Hurrican, der lautstark und nachdrücklich versucht immer das herauszuhandeln, was ihr, nach ihrem Gefühl, zusteht. So entsteht aus der Familiengeschichte eine Aneinanderreihung von Slapsticksituationen, die sich anfangs noch ganz witzig lesen, später hat man als Leser nur noch das Gefühl permanent vom Zug überrollt zu werden. Wumm, Mama Tandoori leistet sich den nächsten Hammer, zack, hier schlägt sie erneut zu, wuuuuuuuuuschhh… sie schimpft und schreit und ist dabei tiefstens verzweifelt. Sie versucht am Leben zu bleiben, kämpft wie Don Quichotte gegen Windmühlen und Phantome ihres, wie sie glaubt, durch eine armselige Kindheit bedrohten Lebens. Das ist wuchtig und es bleibt kaum Raum für leise, nachdenkliche Töne.

Van der Kwast schreibt sich frei vom Rockzipfel seiner Mutter und persönlich mag das sehr erleichternd sein, doch in Romanform ist es eine nüchterne Aufzählung all der unangenehmen Seiten seiner Mutter, versetzt mit kleinen Hinweisen, wie es dazu kommen konnte, dass sich diese Frau so entwickelte. Lautstark, nudelholzschwingend, unfreundlich, vehement, penetrant und psychisch versehrt. Geschildert wird eine Frau, die in keinster Weise fähig ist zu Empathie, geschweige denn rationalem Denken. Das ist eher schmerzlich, als unterhaltsam. Dabei versteht der Autor sein Handwerk, er schreibt und beschreibt gut, doch das dabei gezeigte Kopfkino bleibt meist eindimensional auf das peinliche und anstrengende Zusammenleben mit seiner Mutter ausgerichet. Zwar weiß er um die Liebe seiner Mutter für ihre Familie die sie antreibt, annerkennt dies auch, den Graben verzeihend zu schließen ist ihm im Roman jedoch nicht ganz gelungen.

Eine Besprechung der ich hätte vertrauen sollen findet sich hier.

 

„Mama Tandoori“ von Ernest van der Kwast ist 2018 bei btb erschienen. Nähere Infos zum Buch über einen Klick auf das Cover im Beitrag oder auf der Verlagsseite.

 

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