Die „Büchse der Pandora“ und „die Boten des Unheils“ – Peter F. Hamilton schreibt einen in den SciFi Saga Himmel

978-3-404-23293-2-Hamilton-Die-Commonwealth-Saga-02-Die-Boten-des-orgDer Einstieg in Peter F. Hamiltons vierteilige Commonwealth Saga gestaltet sich gewohnt flüssig.
Stilistisch praktisch identisch mit seiner ersten großen Space Opera dem Armaggedon Zyklus.
Statt Zyklus jetzt eben Saga. Name it as you like. Definitiv ist es ein Hamilton!
Schon der Prolog lässt Vorfreude aufkommen. Die in verschiedenen Handlungen vorgestellten Charaktere sind gut gezeichnet. Der Titel verrät bereits vage die Richtung.
Eine erstklassige Space Opera braucht eine dunkle Bedrohung, dieser nähert man sich im Auftakt an. Besonders spektakulär ist es nicht – zumindest nicht wenn man einigermassen bewandert in der griechischen Mythologie ist – aber spannend, detailreich ausgestattet, voller geheimnisvoller, lockender Anknüpfungspunkte und Fäden, um die Handlung voranzutreiben. Hamilton schreibt keine SciFi Märchen wie George Lucas, er nähert sich dem Genre von der wissenschaftlich, evolutionären, soziologischen Seite. Beleuchtet technische Möglichkeiten, die menschliche Psyche – die er weit tiefer auslotet, nahezu philosophisch – nette Gadgets kommen dennoch nicht zu kurz. Er denkt und entwickelt die jetzige Gesellschaft konsequent unter neuen Möglichkeiten weiter. Die ewigen Menschheitsfragen nach Tod, Verfall, Gesellschaftssystem, Gerechtigkeit, Moral und Ethik und seine Aliens sind nach wie vor faszinierend fremdartig, dabei dennoch vertraut. Ein wenig greift er diesmal sogar in die Sagen und Mythenkiste ohne Verstaubtes rauszukramen, er verfeinert, verbessert, überrascht und begeistert.

 

Band 1 der Stern der Pandora ist ein grundsolider, ausgereifter, humorvoller – besonders was die Schwächen unserer Spezies anbelangt – Auftakt zu einer abermals fesselnden Reihe, die diesmal im Commonwealth Universum spielt in welchem sich die Menschen mittels Wurmlochnutzung erfolgreich über einen guten Teil des Universums verbreitet haben. Der Kapitalismus hat sich durchgesetzt und dominiert die Gesellschaft. Jeder besiedelte Planet variiert dabei die gesellschaftlichen Verhältnisse je nach Erstbesiedelung. Lästig sind nur noch die „Guardians of Selfhood“. Paula Myo jagt sie. Seit mehreren hundert Jahren. Rejuvenationen sind Usus für Menschen die es sich leisten können. Niemand stirbt mehr. Fast niemand, deswegen gibt es Paula, denn Verbrechen lässt sich nicht ausrotten.

Ein wenig vermisse ich die Habitate und die Voidhawks noch, doch das Commonwealth Szenario lässt kaum Raum dafür, so packend und kurzweilig entwickelt sich die Geschichte. Nur das Ende des ersten Bandes lässt ein wenig zu wünschen übrig, wird die Spannung doch künstlich verlängert, was nicht funktioniert, da vorauszusehen ist, wohin sich die Story entwickelt. Ein wenig zurückhaltender breit erzählt hätte vollauf genügt, aber das ist Nölen auf höchstem Niveau und fällt bei 747 Seiten denn auch kaum ins Gewicht.

Das Commonwealth Universum Band 2 –Die Boten des Unheils-

Was Game of Thrones für Fantasy – Serien – Junkies ist, ist Peter F. Hamilton für SciFi Enthusiasten. Und man braucht Enthusiasmus!
Sowohl für die fetten GoT Schinken – Schinken ist hier liebevoll zu verstehen, ich habe sie ohne andersweitige Zwischenlektüre verschlungen – als auch für die hamiltonschen Universen, durch dessen sechsbändigen Armaggeddon Zyklus (+ einem genialen Shortstories Band) ich mich begeistert gefräst habe und an dessen Commonwealth Saga ich gerade dran bin.

Woher diese Faszination? Zum einen ist es das Abtauchen in fremde Welten, dieser philosophierende Eskapismus, der Fragen aufwirft wie: was macht Menschsein aus, welche Formen könnte die Evolution da draussen evtl. noch in petto haben. Wie könnte der technologische, ethische, soziale und ökonomische und -logische Fortschritt voranschreiten, was für Gadgets könnte es geben.
Hamilton ermöglicht seinen Lesern den gelebten Konjunktiv.

Duchhaltevermögen, ja fast schon Cojones vorausgesetzt. Er versteht es zu fesseln, verschiedene Handlungsstränge und Protagonisten detailiert aufzubauen, weiterzuentwickeln, stringent auf sein Ziel hinzuarbeiten und dabei doch den Weg zum Ziel zu machen, doch manche Handlungsstränge, Protagonisten faszinieren mehr als andere. Manche entwickeln sich derart unsympathisch dass es nervt. Obwohl der Autor es, wie wenige andere dieses Genres versteht, den Geist zu fesseln und einzufangen gibt es bei dieser Fülle an Detailreichtum und Weltentwicklung immer wieder Durststrecken, die es zu überwinden gilt. Denn der Tenor der Saga, des Epos ist immer derselbe: Die Welt zu retten für die humanoiden Nasenaffen, die wir trotz allem Fortschritt geblieben sind. Schön, wenn sie dabei noch für das Gros der Menschheit verbessert wird. Eine wahrhaft perfekte Welt, ein Utopia, wird es nie geben.

Auch das ist klar, in allen guten Fantasy oder SciFi Epen.
Das Streben nach Perfektion wird immer vergeblich sein, aber ohne dieses ist die Welt, egal welcher Art nicht lebenswert. Diesen Widerspruch gilt es auszuhalten.
Selten, aber eben doch manchmal, macht das die Leserei zu einem Jammertal. Der Mann meines Herzens beißt sich soeben durch den Armaggeddon Zyklus und stöhnt über die „Bessesenen“. Hat man es bereits hinter sich, kann man sich eines Anflugs, leicht perfider, Genugtuung nicht entziehen ;))
Im Commonwealth fürchte ich nun den Starflyer. Die auch in Band 2 noch unbekannte universelle Bedrohung der Menschheit, die sich hinter der Dyson Barriere in Form des multiplen Aliens MorningLightMountains Prime verbarg. Eben jenen mysteriösen Starflyer, der eine gehörige Anzahl Menschen an elitären und/oder politischen Schaltstellen erfolgreich manipuliert und vereinzelte Warner verfolgt und jagt und als paranoide Terroristen darstellen lässt.
Faszinierend auf höchstem Niveau sind ihm seine Aliens gelungen. Meine liebste Spezies sind die geheimnisumwobenen sagenhaften Silfen und ihre Pfade, die leicht an die Traumpfade der Aborigines nur in noch vergeistigter, weniger pragmatischer Form erinnern, und auch der High Angel – eine Alien Versuchsstation in Planetenform, die die unterschiedlichsten Spezies studiert, ist höchst interessant angelegt.
Es bleibt hochspannend, nicht zuletzt dank des wirklich bitterbösen Cliffhangers am Schluß und Hamilton lässt sich noch immer nicht völlig hinter die Kulissen blicken. So mag ich das als Epen Junkie. Band drei muss also unbedingt her. Von mir eine ausdrückliche Leseempfehlung.

 

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe: 14. März 2006
  • Verlag : Bastei Lübbe
  • ISBN: 978-3-404-23293-2
  • Taschenbuch: 701 Seiten

 

2 Gedanken zu “Die „Büchse der Pandora“ und „die Boten des Unheils“ – Peter F. Hamilton schreibt einen in den SciFi Saga Himmel

  1. Armageddon Zyklus ist komplett gelesen. Vom Commonwealth liegen noch Bd. 3 & 4 auf dem SuB. Den Abgrund merk ich gleich vor😊 Ich laure noch auf den kommenden Scalzi und Anathema von Neal Stephenson. Liebe Grüße in den Norden zurück

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  2. Bitte auch den ganzen Armageddon-Zyklus lesen… dann „Der Abgrund jenseits der Träume“… ach, eigentlich lohnen sich gleich alle Werke zu lesen. Herzliche Grüße aus Kiel, Hauke

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