Ich bin sehr hübsch, das sieht man nur nicht so – Sarah Bosetti poetryslammt romanhaft zum Scheitern

Ehrlich, Sarah Bosetti ist sehr, sehr hübsch, gut für sie, ihr aber egal wie den Leser*innen wohl auch. Interessant ist ob sie innen „hübsch“ ist, und künstlerisch wertvoll unter Schönheit, Intelligenz & Esprit zu verorten ist.

Ist sie!

Netter Anlass sich mal mit der eigenen Oberflächlichkeit zu beschäftigen. Ist für euch das Aussehen der von euch gelesenen Autor*innen von Relevanz? Achtet ihr überhaupt auf so etwas? Ich würde mich über Feedback freuen!

Bin selbst mal in mich gegangen. Bei mir hängt der gutaussehende, damals mittelalte, hochverehrte John Irving auf dem Klo. Mit seinen sympathisch rüberkommenden Lachfalten und seinen klugen braunen Augen und seiner Ausstrahlung kritischer Lebensfreude und Liebe zu den Menschen entspricht er genau, dem Bild des Autors seiner Bücher. 😉

Er leistet unter anderem einer wunderbaren Keith Richards Karikatur Gesellschaft die ich aus dem hiesigen Lokaldrecksblatt ausgeschnitten habe, weil er vom grenzdebilen und ultrafaulen Schreiberling, des orthographisch und teils auch grammatisch verhunzten Biomülleinwickelpapiers als Mick Jagger benamst wird.

Sarah Bosettis Roman – Von einer die auszog das Scheitern zu lernen – hingegen wird niemals für derart profane Zwecke verwendet werden.

Sie ist gut! Da scheitert nichts und ihre Gedanken passen zu ihrem Gesicht, wie bei Houllebeqc, nur in besser. Viel viel besser, denn sie schildert die Absurdität der Gesellschaft und des Lebens in herrlichstem poetryslammigem, fluffig lockeren Erzählton. Ihre einsame Silvesternacht – die sie durch Spontaneinladung wildfremder Menschen zu ihrer eigentlich nicht geplanten Party, die nur aus höflicher Verlegenheit entstand – ist ein süffiger, boshafter, witziger, kluger und umwerfender Roman geworden in dem am Ende sogar noch das dubiose tote Kaninchen aus dem Hut gezaubert wird. Das rote Faden Kaninchen sozusagen. Clever gewählt der Titel des Romans und auch das Cover ist zu loben, das den Content sauber rüberbringt und ohne das ich nicht aufmerksam geworden wäre. Bosetti verpasst zu haben wäre bitter gewesen. Dabei hätte der Name ja mal was bei mir klingeln lassen können. Bosetti trat bereits in „Die Anstalt“ auf, in der „Ladies Night“, alles gerngesehene Sendungen, doch seit der fiktiven Schauspielerin, die „davon leben kann“, aber viel lieber Kellnerin wäre und  spätestens seit den Gedanken der Autorin zum Feminismus,weiß ich nun was Frau Bosetti macht und vermag die Person zu verorten.  Hier ein winzig kleiner Auszug:

„Feminismus ist wie das Kondom, das man erst noch kaufen gehen muss, obwohl man nackt zusammen im Bett liegt. Ohne wär’s einfacher, aber langfristig nur für den Mann.“

Solche und viel weitergehende, tiefschürfende und auch skurrile Gedanken gehen der scheiternden Heldin permanent durch den Kopf. Scheitern kann so viel interessanter sein als erfolgreich zu sein.

Und das ist gut so. So gut! Hier geht es nicht darum Spaß beim Lesen zu haben, den hat man,  doch hier kann man das Hirn entlüften und auftanken, nachladen und neu justieren. Den Blick hinter die Fassaden der Menschen werfen, um festzustellen, dass sie dahinter doch wieder alle so gleich sind, dass sie lieber auf ihre Unterschiede sehen.

Wer mehr aus der Feder der sehr hüschen –  innen wie außen – Sarah Bosetti lesen mag: auf der Verlagsseite gibt es eine Kostprobe. Mit einem meiner liebsten Sätze:

„Hör auf zu skrupeln, Kind, das macht man nicht in feiner Gesellschaft!“

Aktuell dazu Bosetti auf youtube.

Ich bin sehr hübsch, das sieht man nur nicht so ist als Softcover im November 2017 im Rowohlt Taschenbuchverlag erschienen. Weiter Informationen bei Klick aufs Cover oder auf der Verlagsseite.

8 Gedanken zu “Ich bin sehr hübsch, das sieht man nur nicht so – Sarah Bosetti poetryslammt romanhaft zum Scheitern

  1. Oh, das Buch IST ausgesprochen lesenswert. Ich schätze sie auch auf Youtube, auch wenn ich ab und an anderer Meinung bin als sie. Mir geht es wie dir, Inhalt zählt, doch die nette Verpackung nehm ich mit. Bei Menschen sehr angenehm ist sie mir bei Autor*innen wurscht, allerdings sieht eine, ich verrate nicht wer, Lieblingsschriftstellerinnen für fantastisches Amüsement optisch wenig ansprechend aus und ich muss zugeben, dass mich das irritierte. Mehr Text über ein Buch muss auch noch lange nicht bedeuten, dass es wirklich hält, was man sich verspricht, da bin ich vorsichtiger geworden im Laufe der Jahre. Ein langschweifiger Kommentar über irreführende Klappentexte und am besten auch noch dusselige deutsche Titelumformungen käme mir auch in den Sinn ;))

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  2. *G* Siehste, Geschmacksache, ja Murray ist eine Schauspielerklasse für sich, ich hab vor einiger Zeit eine Art Biographie über ihn gelesen und selbst, wenn nur ein zehntel stimmt ist er ein besonderer Typ

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  3. Das Aussehen eines Autors oder einer Autorin interessiert mich kaum.
    Mir ist der INHALT wichtiger als die VERPACKUNG!

    Immer häufiger frage ich mich inzwischen beim Durchblättern der halbjährlichen Verlagsvorschauen und diverser Buchkundenkataloge, ob ich das illustre Magazin „Gala“ betrachte oder einen Buchwerbekatalog: DIN-4-große (manchmal sogar doppelseitig) dramatisch, piefig, pseudotiefsinnig, blödsinnlich, frischfrisiert-gefärbt, bartschattig, zwanghaft-lässig, romantisch oder distanziert-denkerisch, schüchtern-gequält oder narzisstisch-selbstherrlich, freundlich, unfreundlich, gelassen, genervt, schutzbedürftig, souverän, abenteuerlustig, abstoßend bis attraktiv inszenierte, kunterbunte oder schwarzweiße Autoren- und Autorinnenfotos fungieren als Blickfang für wortkarge Buchbeschreibungen und zweizeilige biographische Hinweise.

    Es ist bei mir so, daß das Gesicht eines Schriftstellers erst nach der Lektüre eine maßvolle Neugier in mir weckt. Manchmal würde ich auch gerne die HÄNDE sehen oder den Schreibtisch – dennoch sind dies Nebensächlichkeiten, die mich nur beiläufig beschäftigen, wesentlich wissenswerter erscheinen mir substanzielle Interviews, die etwas über die Wertekoordinaten erzählen.

    Ich habe einmal eine Abschweifung (BUCHGESICHTER) zum Thema der inzwischen reichlich übertriebenen bildlastigen Buchwerbung der Verlage geschrieben, und in diesem Zusammenhang kam es zu einem ellenlangen, sehr aufschlußreichen und amüsanten Kommentar-Schweif:
    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/04/13/abschweifung-nr-3/

    Ach ja, und das Buch von Sarah Bosetti KLINGT ausgesprochen lesenswert! 😀

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  4. Ich habe vor bestimmt zehn Jahren oder so mal Ensel und Krete von Dirk Bach gehört und fand es großartig 😉 aber ich höre zur Zeit eigentlich keine Hörbücher, obwohl ich dem schon was abgewinnen kann… aber im Moment lese ich lieber selbst. Ich kenne auch nicht viele Murray-Filme, aber ich mag ihn trotzdem 🙂

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  5. Murray ist schräg. Egal ob in Zombiekomödien oder in Wes Anderson Filmen. Wahrscheinlich auch im echten Lben. Wen ich als Leser seiner Werke liebe ist Marc -Uwe Kling, der verehrte Michael Ende hingegen ist dem Einschlafen sehr förderlich.Gar nicht, so gar gar nicht ging Dirk Bach als Leser von Moers, aber wie du sagst, Gecshmacksache, andere liebten ihn.

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  6. Ich habe fast nur gute Erfahrungen gemacht bei Lesungen. Man braucht einen guten Moderator, wobei es auch Autoren gibt, die den Laden gut alleine schmeißen 🙂 Ist halt Geschmackssache. Murray als Hendrix, das klingt schräg. 🙂

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  7. Danke für dieses feedback. Ich bin ja nicht so für Lesungen zu haben, wenn es langweilt ist es so unhöflich zu gehen und Hörbücher werden oft nicht vom Autor gelesen daher bin ich wirklich interessiert an Autor*innenbildern, suche oftmals auch die Person die diese Geschichte so wunderbar erzählt bildlich zu erfassen. Du gehst da noch zwei Schritte weiter.
    John auf der Toilette? naja, woanders passte es nicht und er ist in guter Gesellschaft, der als Jimi Hendrix gestylte Bill Murray den ich auch sehr verehre hängt da auch ab, allerdings schaut er so murrayhaft miesgelaunt und monalisisch wie immer. 😉

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  8. Warum muss der arme John denn auf dem Klo hängen? 😉 Ich musste grad erstmal überlegen, ob das Aussehen eines Autors oder einer Autorin für mich relevant ist… Ich gucke schon, das ja. Aber interessanter ist dann glaube ich doch das Gesamtbild, also wie jemand dann z. B. auf einer Lesung oder im Interview rüberkommt. Sympathisch, schlagfertig, klug… das merke ich mir dann auch. Viele Grüße!

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