Hand aufs Herz: Habt Ihr nicht auch schon mal innerlich die Augen verdreht und Euch gefragt, wie blöd man eigentlich sein kann, wenn Ihr von Leuten gelesen habt, die Love Scammern auf den Leim gingen? Ich muss ehrlich gestehen, ich schon.
Ähnlich ging es Sarah Kuttner. Doch dann spielte sich das Unglück direkt in ihrem unmittelbaren Umfeld ab, auf schlimmstmögliche Weise. Kuttner hatte keine einfache Kindheit, das Verhältnis zur Mutter ist schwierig, aber, wie die meisten Kinder, buhlt auch sie im Erwachsenenalter immer noch sehnsuchtsvoll um die bedingungslose Liebe ihrer Mutter. Oft sind die Treffen sehr angespannt, trotz aller Versuche – wohl auf beiden Seiten.
Noch schlimmer wird alles, als Kuttner von ihrer Tante erfährt, dass die Mutter eine angebliche Online-Liaison mit dem schottischen Schauspieler Sam Heughan habe. Beiden ist klar, dass das nichts Gutes heißen kann, beide versuchen auf unterschiedliche Weise der Mutter klarzumachen, dass das nicht der wirkliche Sam sein kann. Vergeblich. Kuttner zieht sich daraufhin zurück und dann passiert das Unglück: Kuttners Mutter stirbt allein in ihrer Wohnung, wird dort erst nach Wochen gefunden und für Kuttner bleibt nur noch das blanke Chaos.
Sie muss einerseits mit der Trauer klarkommen, die aufgrund der Distanziertheit nicht unbedingt der Norm der Gesellschaft entspricht, sondern mehr Wut und ungelöste Emotionen beinhaltet, andererseits muss sie organisieren, entscheiden, was mit dem Erbe der Mutter passiert und vor allem muss sie für sich herausbekommen, was passiert ist.
Ich bin an Kuttners Lippen gehangen, habe mit ihr den Chat-Verlauf zwischen Mutter und Love-Scammer alias Sam Heughan verfolgt und gestaunt, wie klug und klarsichtig diese Mutter doch war und wie sehr sie sich diese letzte romantische Liebe gewünscht hat, diese Liebe, die ihr das gegeben hat, was ihr kein bisheriger echter Mann gab: Das Gefühl, richtig zu sein, genau so, wie sie war. Sie wünschte sich diese Liebe so sehr, dass sie sämtliche Alarmsirenen ausblendete und sich nach und nach über 100 000 Euro aus der Tasche ziehen ließ.
Eine posthume Liebeserklärung von Kuttner an ihre Mutter und gleichzeitig ein Ratgeber – von mir gibt es eine große Leseempfehlung!
„Mama & Sam“ von Sarah Kuttner ist 2025 als Hardcover im Fischer Verlag erschienen. Weitere Informationen bei Klick auf das Cover oder auf der Verlagsseite.

