Frau Präsidentin als Teenie

Lesefutter vom Feinsten! Man merkt, ich versuche zurzeit, etwas mehr Bücher aus dem Kinder- und Jugendbuchbereich zu lesen und ich stelle fest, dass es so viel Freude bereitet und man auf so unglaublich gute Bücher stößt, die sich genauso gut als „Coming-of-age“-Geschichten im Belletristik-Bereich wiederfinden könnten.

„Mehr als wahrscheinlich“ heißt das Jugendbuch, das ab 14 Jahren empfohlen wird, das man aber meinem Empfinden nach auch mit 54 oder 64 noch lesen kann. Vier Freundinnen in Amerika, die sich von Kindesbeinen auf kennen, die Krach miteinander hatten, durch Krisen und Glücksphasen miteinander gingen und die nun im letzten Jahr vor dem Schulabschluss stehen. Sie wissen, bald werden sich ihre Wege trennen, sie hoffen, dass sie dennoch gute Freunde bleiben werden. Jede von ihnen hat ihr Päckchen zu tragen, jede ist besonders.

Die eine ist künstlerisch begabt, traut sich aber kaum, sich und der Welt mitzuteilen, dass es ihr Lebenstraum ist, diese Malerei zu ihrem Beruf zu machen. Hat sie die Kraft, den Mut, die Energie, das durchzuziehen?

Dann gibt es die eine, deren Eltern sich getrennt haben, deren Vater arbeitslos geworden ist, die kaum noch Kontakt zu ihrer Mutter hat und die bereits jetzt Nebenjobs hat, um sich ihr Auto zu finanzieren und der einfach nichts in den Schoß fällt.

Eine von ihnen tut alles dafür, ihren Traumberuf „Journalistin“ wahrwerden zu lassen, greift dazu zu kleinen Notlügen und verletzt die Gefühle ihrer besten Freundin.

Und die vierte ist so ehrgeizig, dass sie Praktika sammelt wie andere Briefmarken, büffelt wie eine Wahnsinnige und nur ein Ziel hat: die Universität Stanford! Wenn sie da nicht hinkommt, bricht ihr Lebensplan zusammen – oder?

Eine zentrale Rolle neben den vier Freundinnen CJ, Ava, Jordan und Martha hat Logan Diffenderfer, ein cooler Sportler aus ihrem Jahrgang, dem sämtliche Mädchenherzen der Schule entgegenfliegen. Auf die eine oder andere Art ist er mit jeder der vier Freundinnen „verbunden“, jede hat eine besondere Beziehung zu ihm.

Am Ende, das weiß man ab Seite 1 Dank des Prologs, wird eine der vier jungen Frauen die erste Präsidentin der USA sein und Diffenderfer mit Nachnamen heißen. Doch welche?

Die Story ist rasant, mit viel wörtlicher Rede gespickt. Alle vier Protagonistinnen werden gut herausgearbeitet, man wird emotional an Bord geholt und leidet und freut sich mit ihnen. Dieses Buch hat alles, was man sich für guten Lesestoff wünscht: glaubhafte Figuren, gut gewählte Sprachebenen für ebendiese Personen, gute Dramaturgie, ein Spannungsbogen, der sich hält und ein cooles Ende.

Auf Deutsch ist das Buch im September 2022 mit dem Titel „Mehr als wahrscheinlich“ beim Arctis Verlag, in der Übersetzung von Henriette Zeltner-Shane, erschienen. Ich habe es auf Englisch gelesen und glaube, dass die meisten englischlesenden Teenie-Leser*innen, die Englisch lieben, das Buch gut im Original lesen können. Wenn man nicht jedes Wort versteht, einfach weiterlesen, der Sinn erschließt sich dann schon :-). Im Englischen heißt der Titel „Most likely und ist bei Hachette erschienen erschienen. Mehr Informationen gibt es durch einen Klick auf Buchtitel, Cover und Verlagsname.

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