Der schwarzzüngige Dieb – Opulente Fantasy für Genußmenschen in guter Traditionsweiterführung

Kinsch Na Schannack hat eine schwarze Zunge. Wie alle Galter. Eine schwarze Seele hat er trotz seiner Zugehörigkeit zur so mysteriösen wie mafiösen Nehmergilde nicht. Er ist ein kleines Licht. Gut ausgebildet, talentiert und hoch verschuldet bei der Gilde, was ungute Nebenwirkungen hat.

Murkst er nicht gerade notgedrungen, wirklich nur dann, jemand ab, ist er eingentlich ein ziemlich sympathischer Kerl. Und er nutzt seine schwarze Zunge bestens. Kinsch erzählt seine Geschichte. Seine Abenteuer beginnen in einem Wald, wo er mit mindertalentierten Räubern versucht seine Geldschulden abzubauen um sich am Ende mit einer begabten Schwertkämpferin und weiteren, nicht immer zufälligen, Bekanntschaften auf eine Quest zu begeben, deren Ausgang im Ungewissen liegt.

Christopher Buehlman, der zuvor im Horrorgenre unterwegs war, hat sein hochkarätiges Fantasy Debüt bestens ausgestattet. Bereits mit den ersten Sätzen hat er mich abgeholt.

 „Ich würde sterben. Schlimmer noch, ich würde in der Gesellschaft von Scheißkerlen sterben.“

Die Geschichte wird von Kinsch so rasant, witzig und skurril weitererzählt, dass man eher meint er hätte eine goldene Zunge. Kein Wunder, erklärt Buehlman doch im Nachwort welches seine bevorzugten Fantasy Schöpfer sind. Der unvermeidliche J.R.R. Tolkien natürlich und der andere Autor mit zwei R. im Namen der nicht nur mit Game of Thrones brillierte, sowie der großartig, poetische geniale Erzähler und Welterschaffer Patrick Rothfuss und, der erste Satz des Romans schreit es ja schon heraus der düstere, zynische Joe Abercrombie. Es fehlen zwar Neil Gaiman und Tad Williams, doch Buehlman braucht sich vor keinem der Genannten zu verstecken. Im Gegenteil. Ist doch „Der schwarzzüngige Dieb“ ein großartig, rasanter wilder Ritt durch eine detailliert und atmosphärisch ausgestaltete Welt die man nur ungern verlässt. Buehlman würzt diesen Fantasy Roadtrip mit derbem aber auch feinem Humor und knorrigen Charakteren. Diese magische und kaum technisierte kriegsgebeutelte Welt wird von Riesen, Kobolden, Raben, Hexen, Zauberen, Assassinen, seltsamen Göttern, Schwertkämpferinnen und Dieben bevölkert dass es eine Freude ist sie kennenzulernen. Versteckte politische und pekuniäre Interessen werden erkennbar und wie am Ende alles zusammenhängt ist Lesegenuß und Lesesucht fördernd. Vor allem, weil viel Raum für ein fortschreitendes Eintauchen in die Zusammenhänge dieser Welt vorhanden ist was die Freude über diesen Roman deutlich steigert. Der den Fuchsgott verehrende Hauptcharakter Kinsch, dieser fatalistische und zugleich lebenslustige junge Mann und der mitreissende, erfreulich lockere Erzählstil setzen dem Ganzen die (Fantasy) Krone auf.

28 Dodos und den Dodo-Award für dieses diebische Meisterstück, das den genannten schreibenden Helden des Autors, ohne zu plagieren, ein Denkmal setzt in einer sehr eigenen fesselnden Weise.

Gerne mehr davon (es gibt Anzeichen für einen Folgeband) und eine warme Empfehlung meinerseits an alle FreundInnen der Highfantasy.

 

Der schwarzzüngige Dieb von Christopher Buehlman ist im August 2022 als Hardcover mit Schutzumschlag bei Hobbit Presse Klett-Cotta erschienen. Weitere Informationen bei Klick auf das Cover oder auf der Verlagsseite.

4 Gedanken zu “Der schwarzzüngige Dieb – Opulente Fantasy für Genußmenschen in guter Traditionsweiterführung

  1. Pingback: Der Leuchtturm an der Schwelle der Zeit | Feiner reiner Buchstoff

  2. Hm, mal schauen, so wirklich weiß ich es jetzt ehrlich gesagt nicht 😀
    In sich abgeschlossen ist super – aber ich mag das einfach nicht mehr, wenn nach 1-2 Jahren dann doch eine Fortsetzung kommt und ich bin einfach so, dass ich mega viel vergessen habe bis dahin. Und ich kann dann auch nicht immer alles extra nochmal lesen, so gut wie ich es dann auch gefunden hab… ich werds mir nochmal überlegen, trotzdem danke!

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  3. Hi Aleshanee Der Band ist in sich abgeschlossen, könnte auch da enden. Es ist ein, also ganz viele in einem Abenteuer. Die kann man locker fortführen, oder auch nicht. Kinsch ist ja noch jung und wie sich zeigte überlebensfähig 😉 Mir war lange nicht klar, dass es ei erster Band ist. Erst als ich eingestellt habe auf der Website des Verlages stand es. Im Buch auch … wer lesen kann …;)
    Mir wird er in so guter erinnerung bleiben, dass ich in diese Welt auch sicher wieder gut reinfinde wenn Band 2 erscheint (außer der Autor eifert seinem Idol Rothfuss auch in diesem Punkt nach, dann wirds eng. Kvothes Abenteuer muss ich alle noch mal lesen oder besser hören, sie sind es auch wert.
    Hoffe bei der Entscheidungsfindung geholfen zu haben, sonst mach es wie mein Süßer, der wartet mittlerweile bis alles da ist.

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  4. Huhu!

    Das hört sich richtig gut an! Ich hab das Buch natürlich auch schon im Visier – aber ich wollte noch warten, zwecks Reihenauftakt und so … „viel Raum für ein weiteres Fortschreitendes Eintauchen“ hast du geschrieben – ist der Band an sich dennoch in sich abgeschlossen? Ich mag es immer nicht so gerne, wenn so vieles offen bleibt und ich 1 Jahr warten muss, ich vergesse zwischendurch einfach zu viele Details und erkenne dann oft so subtile Zusammenhänge nicht mehr ^^

    Liebste Grüße, Aleshanee

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