Berliner Stadtblatt Nr.32

JohnQube @ pixabay

Philipp ist den Tränen nahe. So unsäglich wütend macht ihn das alles. Seine Faust knallt auf den Abendbrottisch nieder, daß Geschirr und Besteck klappernde Hopser vollführen. Das darf einfach nicht wahr sein!

Alle starren ihn erschrocken an.

Sie sehen sich wie jeden Abend zum Essen die Nachrichten an. Philipp hat das durchgesetzt, daß die Familie genauestens verfolgen kann, wie seine Zukunft und die seiner kleineren Schwester Frieda zunichte gemacht wird. Und das von alten Männern, die besser schon vor fünf Jahren zum Probewohnen hätten aufbrechen sollen. Es ist zum Kotzen!

Philipp engagiert sich bei fridayforfuture. Jede freie Minute macht er sich für eine klimafreundliche Gesellschaft stark. Wenn er nicht gerade penibel den Hausmüll trennt. Oder umliegende Bäume gießt. Oder im Internet nach neuen Forschungsergebnissen fahndet. Die Meere treiben ihn um. Brennende Wälder und schmelzende Permafrostböden bringen ihn fast um den Verstand. Und nun das!

Ein Kohleausstieg, der keiner ist. Noch mehr Dörfer werden platt gemacht. Ackerboden und Wälder einfach hinfort gefegt. Und für was? Für Braunkohle! – Einen der schmutzigsten Energieträger überhaupt. Und das für weitere 18 Jahre. Dann geht es auf die vierzig zu.

Da kann man doch nur noch durchdrehen!

Und dann stellt sich diese Pissnelke von Umweltministerin noch hin und lügt der Bevölkerung dreist ins Gesicht. Deutschland sei ein Vorreiter. Was für eine dreckige Lüge!

Schlusslicht Deutschland! Deutschland mit den zwei Hinkebeinen! Deutschland und sein Sonderweg! Schlaftablette Deutschland!

Deutschland Geldverdienland. Alles andere ist doch scheiß egal!

Philipp juckt es förmlich in den Fingern. Ihn hält es kaum mehr auf seinem Stuhl. Derart stark kocht der Zorn in ihm.

Eigentlich hatte er mit dem Scheiß ja aufgehört. Hatte ein Einsehen gehabt, bevor sie ihn erwischen konnten. Besonders umweltverträglich ist es ja ohnehin nicht.

Er reibt sich angestrengt über die Stirn. Vergräbt sein verzerrtes Gesicht jedoch unter einer Basecap, so daß niemand sehen kann, welchen Kampf er gerade mit sich selber durchmacht.

Aber wenn Erwachsene vor eine Mikrophalanx treten und grinsend und selbstzufrieden auf die Zukunft ihrer Kinder und Enkel scheißen, na dann sollen wenigstens ihre fette – Ärsche – Limousinen brennen. Die werden schon sehen, verdammte Wichser!

„Philipp, Liebling.“, beginnt seine Mutter einen vorsichtigen Versuch zu ihrem Sohn hindurchzudringen.

Philipp rückt seinen Stuhl ruckartig weg und springt auf. Und ohne ein weiteres Wort oder einen Blick auf seine Familie stürmt er aus dem Zimmer hinaus.

Ab jetzt gibt es keine Gnade mehr.

Aber mehr weiß ich auch nicht

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