Der Magier von London – rasanter magischer Zaubererpolitthriller Teil 3

London ist ein beliebter Schauplatz magischer Urban Fantasy. Benedict Jacka hat mit der mittlerweile dreibändigen Reihe um den Magier von London augenscheinlich versucht, an Ben Aaronovitchs Erfolg um den zauberischen Peter Grant und die Flüsse von London anzuknüpfen. Ist bei Aaronovitch London als Schauplatz fest involviert, so ist es als Szenerie bei Jackas „Der Magier von London“ nebensächlich. Hier dreht sich alles um den Magier Alex Verus, dessen hellseherische Fähigkeiten ihn in einer geheimen Zauberergesellschaft die klar in weiße und schwarze Magiergruppen unterteilt ist, am Leben halten. Eine stark hierarchisch und von Dominanzstreben geprägte Kultur, die gelinde gesagt, zur Aggression neigt. Alex Verus überlebt als weder der einen noch der anderen Seite zugehöroger Magier, indem er halbherzig einen Zauberladen betreibt, versucht sich aus allem Ärger herauszuhalten und den Kopf fein unten zu halten. Das gelang ihm weder in den ersten zwei Bänden, noch im aktuellen. Der Ärger kommt zu ihm und er ist genötigt und bestrebt, ihn sich vom Hals zu schaffen. Das liest sich spannend, rasant und immens actionreich. Mehr ein magischer Thriller als ein Fantasy und so lässt Bendict Jacka seinen Protagonisten, dem es immer darum geht die nächste Unbill zu überleben, recht nüchtern berichten, was jetzt schon wieder ansteht. Alex erzählt unaufgeregt und trocken, welche Gedanken ihm durch den Kopf gehen und wie er vorgeht um siegreich aus seinen diversen Kampfszenen hervorzugehen. Die Action steht klar im Vordergrund, denn auch im dritten Band findet, außer veränderten Lebensumständen, keine Weiterentwicklung des Hauptcharakters statt. Rasant, abenteuerliche Lektüre zum Goutieren, mit interessanten Charakteren und Sidekicks, die weniger das Setting als die Gesellschaft, Politik und Eigenheiten der Magier vermittelt. Da die Fähigkeiten der Magiebegabten sich stark voneinander unterscheiden, sie reichen vom Kampf- bis Heilmagier, von Hellsehen bis Vergangenheitsbetrachtung, und die recht amoralische Gesellschaft ihre Verbündeten oft wechselt oder entsorgt, ist der Magier von London eher ein magischer Politthriller auf Leben und Tod. Es ist ein hartes Leben für Alex Verus, das er nur dank seines guten Netzwerks an Verbündeten und magischen Bekannten überleben kann. So versucht er auch, seine neue Auszubildende zu schützen, indem er sie aus dem ganzen Machotheater der Weiß- und Schwarzmagier heraushält, doch als er mitansehen muss wie ein anderer Lehrling entführt wird drängt es ihn, wider besseren Wissens einzugreifen und so nehmen die Vorgänge ihren gewohnten Lauf. Alex versucht das Rätsel um die verschwindenden Zauberlehrlinge zu lösen und am Leben zu bleiben. Dabei hat er Hilfe, ist sich aber nie sicher, ob diese ihm nicht bei Gelegenheit in den Rücken fällt. Ungeschickt ist auch, dass sein magisches Hilfsmittel um den Luftelementar zu rufen (Achtung, wer „Die Geister, die ich rief“ kennt, wird diese Figur immer mit dem Geist der zukünftigen Weihnacht in Verbindung bringen.) perdu ist. Möge dieses quirlige Wesen im nächsten Band wieder auftauchen. Alex Verus Freunde und Bekannte sind meist viel interessanter als der ernste und leicht verbitterte Magier, dessen trockene Ernsthaftigkeit es erschwert, ihn wirklich wertzuschätzen. So sind die erschaffene magische Welt, ihre Weiterentwicklung und die der Nebencharaktere sowie die faszinierenden Artefakte oft interessanter als der griesgrämig, brummelige Hauptdarsteller. Stilistisch arbeitet der Autor nach Schema F, sprich es gibt einen Anlass für ein Abenteuer und das wird straight durchgezogen. Auch sprachlich ist wenig Raffinesse zu finden, die Abenteuer dagegen lohnen und auch die Kampfszenen sind detailverliebt und so bildhaft und  realistisch wie Zaubererkämpfe eben sein können.

Gut geeignet für Freunde fantastischer Action, die hier voll auf ihre Kosten kommen. Ausgesprochene Londonfans sollten sich allerdings an Aaronovitch oder die Lycidas-Reihe von Christoph Marzi halten.

Der Magier von London von Bendict Jacka ist im November  2019 als Taschenbuch bei Blanvalet erschienen. Weitere Informationen bei Klick auf das Cover im Beitrag oder auf der Verlagsseite.

 

 

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