Smek for President – fantastisch bunte SciFi Dystopie mit glücklichem Ausgang und viel Humor

,SmekGratuity Tucci alias Tip, im mitreißenden und umwerfenden Vorgängerband „Happy Smekday“ erfolgreiche Welten- und Boov Retterin, ist wieder da.

J. Loo, der begnadete Techniker – Boov mit der charmant-kreativen Grammatik lebt mittlerweile unbekannterweise bei Tip, ihrer Katze Sau und ihrer Mom. Eine Rückkehr zur neuen Boov Welt ist ihm unmöglich, gilt er dort doch noch immer als Staatsfeind und „Petzer“.
Auch das mit dem unbekannt funktioniert nicht so ganz, denn:
„Naja…“ J.Loo zuckte mit den Schultern oder versuchte es zumindest. Zum Schulterzucken braucht man Schultern. „Nur so ein Mann an der Straßenecke. Ich hätte einfach bei Rot drübergehen sollen. Ein Boov muss sich nicht von Menschensgesetzen vorzuschreiben lassen, was er zu tun und zu lassen hat.“ „Das sieht die Polizei aber sicher anders und du hast in letzter Zeit oft genug im Gericht herumgehangen.“
J.Loo pflanzte sich auf den Fußhocker. „Ich bin ein Rebell“ flüsterte er. „Gefangener einer Welt, die mich nicht versteht.“
„Du bist definitiv speziell…“
„Ein Gefangener…“

So bleibt es nicht aus, dass J. Loo zusammen mit Tip einen Ausflug in die neue Boovwelt plant. Unausbleiblich ist auch die eher ablehnende Haltung von Tips Mom zum geplanten Weltalltrip ihrer minderjährigen Tochter.

„Was?“ Es klang nicht mal mehr wie ein richtiges Wort. Mom war zu einem glupschäugigen, heiseren Raubvogel mutiert.“

Derartiges elterliches Benehmen löst bei einer roadtriperfahrenen 13-Jährigen Weltenretterin vorhersehbare Rebellion aus. Besonders, weil sie mit der Wandlung ihrer Beziehung noch nicht vertraut und davon iriitiert ist. War Tip im ersten Band noch völlig auf sich allein gestellt, übernimmt ihre Mom nun die Erzeihungsverantwortung und diese sehr ernst um nachzuholen, was sie davor versäumt hatte. Beide sind gereift und müssen sich an diese neue Situation erst gewöhnen. Die Kommunikation ist definitiv ausbaufähig.

Ergo: Tip und J.Loo begeben sich mit Slushius Zwei, natürlich modifiziert, auf die Reise. Dank J.Loos großartiger technischer Fähigkeiten sind sie erstaunlich schnell am Ziel. Gut so, denn die Aussicht im und auf’s All ist relativ langweilig, bis auf den Saturn. Dazu sind  Tips Wortwahl, die Erlebnisse und ihre aus der Ich – Perspektive erzählten Reiseerlebnisse unschlagbar fesselnd.

„Der Saturn ist atemberaubend schön. Wenn man den Saturn ansteuert fühlt man sich als wäre man mit voller Wucht der gesamten Weltraumschöpfung auf einmal  ausgesetzt.“

Glücklich angedockt an der schönen neuen Boovwelt, nimmt dann das Unheil seinen Lauf.

Nicht nur, dass die Schwerkraft geringer als auf der Erde ist, womit Tip klarkommen muss, sie wird auch noch von einer Werbeblase, die sie zu lang beachtete verfolgt und J. Loo wird als der Weltenzerstörer und „Petzer“ enttarnt was seine Inhaftierung und infolgedessen eine aufreibende, rasante Befreiungsaktion von Tip zur Folge hat, in deren Verlauf die beiden sich auf der Flucht in einer seltsamen Welt voller Feinde bewegen, die zudem noch innenpolitische Schwierigkeiten hat. Wird es J. Loo und Tip gelingen, sich allen Gefahren zu entziehen und  zurück zur Erde zu kommen? Und wird Tip ihre persönlichen Probleme mit Mom erkennen und damit zurecht kommen?

Die rasante Action, in der ein Ereignis bereits vom nächsten überrollt wird, entfaltet zwar ein farbenfrohes Alienuniversumkopfkino, welches die Probleme und Gefühlswelt anfangspubertierender Kinder gut illustriert, denn auch diese wähnen sich mit Einsetzen der Hormonproduktion doch oft in einer fremden Welt, voller unentzifferbarer Geschehnisse, und Tip bietet sich dank ihrer burschikosen straighten Art als dankbare Identifikationsfigur, für beide Geschlechter an. Mir hätte ein wenig Entschleunigung allerdings besser gefallen, gerade um Tips Einsichten und Erkenntnisse sacken zu lassen. Ihnen Raum zu geben, die Gehirne der jugendlichen Leser zu infiltrieren und anzuregen. Womöglich unterschätze ich damit aber auch die Zielgruppe der 11 – 14 jährigen, da diese mittlerweile allein durch die Medien schon gewohnt sind, Inhalte in Rasanz zu konsumieren. Rast bieten die übersichtlich strukturierten Comiceinschübe, die zudem noch Hintergrundwissen zum ersten Band vermitteln.

Sicher ist: Der Humor kommt in diesem Science Fiction zu vollster Entfaltung.

Gemäßigte Gesellschaftskritik an American Way of Life, politischen Systemen, ihren Vertretern und Konsum, transportiert durch eine fremde Lebensform, die Boov – die den Menschen in diesen Belangen doch sehr ähnlich, wenn auch auf fremdartige, dabei wiedererkennenswerte Weise sind –  kommt ebenfalls nicht zu kurz.

Wir haben uns Band 1 „Happy Smekday“ als Hörbuch gegönnt und waren sehr angetan, auch über die Altersgrenzen hinweg. Eine Warnung möchte ich allerdings noch loswerden. Der KinofilmHome zu „Happy Smekday“ also dem Vorgängerband ist nur schwach angelehnt an den Roman, und in derart bonbonbunten, knalligen Farben und unteriridsch flacher Grafik lieblos am Computer hergestellt, dass ich mich immer noch über die Auszeichnung mit: „Prädikat besonders wertvoll“ wundere. Zudem basiert der Plot völlig auf J. Loo und der Boovschen Besiedelung der Erde. Wobei J. Loo diesen Namen im Film nicht einmal trägt. Die Entwicklung Tips bleibt fast völlig außen vor, zugunsten billiger tränendrüsendrückender Schnulzszenen und die Begleitmusik! Sie ist grauenhaft! Schön ist das nicht.

Mit seinen beiden Romanen aber hat Adam Rex ein faszinierendes SciFi-Szenario mit Lebensklugheit und fantastisch-fabulierender Erzählkunst geschaffen, dass man sich und seinen Kindern nicht entgehen lassen sollte.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 05. März 2015
  • Verlag : Ueberreuter
  • ISBN: 978-3-7641-5059-4
  • Gebunden: 288 Seiten

 

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