Unterleuten, ein Gesellschaftsthriller

Juli Zeh ist eine politische Schriftstellerin, und das merkt man Unterleuten an. In diesem Roman spürt sie gesellschaftlichen Ressentiments, Strömungen und deren Ursprung nach.  Zugleich beherrscht sie die schriftstellerische Handwerkskunst, mit Leichtigkeit zu erzählen. Das ist gut so, denn der Roman hat mit knapp 640 Seiten annähernd episches Ausmaß. Im brandenburgischen Dorf „janzweitdraussen“, dessen Name…

Kunst ist eine Gefühlsäußerung

Kunst entzieht sich der Logik, man muss sie fühlen. Ein Bild gefällt oder gefällt nicht, so einfach kann das sein. Charles Strickland ist ein Getriebener, er muss malen. Sein einziges Ziel ist es, in seinem Leben Schönheit zu schaffen. In seinem Brotberuf – er ist Börsenmakler – wird das nicht gelingen, deshalb packt er kurz…

Neues vom Franzl

Der Eberhofer Franz treibt wieder sein Wesen. Oder jenes treibt ihn um und seine Mitmenschen zur Verzweiflung Kennern und Liebhabern der Reihe um den bayrischen Dorfbullen sind seine Charakterzüge ja bekannt. Er ist ein Urbayer, bös ausgedrückt ein Klischee. Charmant ist jedoch, dass er die lederhosene Schuhplattlerei anarchisch durchsetzt betreibt. Mir san mir, wird zu,…

Lesefutter für trübe Tage

Ein echter Schmöker.  An zwei leseintensiven Abenden musste er fertig gelesen werden. Das Thema – Frau hat Unfall (oder?), verliert dabei die Erinnerung an ihr komplettes bisheriges Leben und muss sich nun in einem ihr völlig fremd wirkenden Umfeld zurechtfinden – ist nicht ganz neu. Auch Jodi Picoult hat es schon bedient. Doch das tut Sabine Ludwigs Werk…

Familienleben mit Demenz

Das unangenehme Thema des Alterns, der Demenz bzw. Alzheimer wird in unserer dem Jugendwahn frönenden Gesellschaft meiner Meinung nach in der Literatur abseits von spezialisierten Sachbüchern viel zu wenig thematisiert, insofern ist das Buch von Arno Geiger, bereits bevor man eine Seite gelesen hat, eine erfreuliche Ausnahme. Ich hatte ja bisher so meine Probleme mit…