Cory Doctorow kenne ich schon seit langem und liebe seine Little Brother Serie genauso wie seine anderen Romane die immer wieder von einer nahen dystopischen Zukunft berichten. Doctorow ist politisch sehr aktiv und ein spannender Autor der sich in der Tech-Welt bestens auskennt.
„Enshittification“ ist nun endlich bei Blumenbar auf deutsch erschienen und der Titel ist eine Doctorowsche Erfindung die in Australien, Großbritannien und USA zum Wort des Jahres gekürt wurde.
Und dieser Begriff hat es in sich. Er steht für „das Gefühl einer Welt, die sich unaufhaltsam verschlechtert. Als Konzept erklärt es, warum das so ist und wer dafür verantwortlich ist.“
Enshittification ist für mich DAS SACHBUCH 2026. Dodo- Award & 28 Extra Dodos!
Ihr wisst schon lange, dass es die großen Konzerne sind die der Menschheit aus Profitgier und Wachstumsideologie immens Schaden zufügen? Wenn ja erfahrt ihr hier wie sie das anstellen und wenn nicht ist es allerhöchtse Zeit mal fernab jeglicher Aluhüte hinter die Kulissen zu schauen.
Interessanterweise ist die Vorgehensweise immer diesselbe:

Die Fallstudien zu Facebook, Amazon, Twitter (Ja ich weiß! Mir egal!) und dem I-Phone sind mit faszinierenden Details gespickt die die meisten Menschen wahrschienlich nicht alle kennen. WTF ist der vorherschende Gedanke beim Lesen und ab und an mit widerwillig anerkennender Konnotation gedacht.
Wer jetzt glaubt die Lektüre dieses Sachbuchs sei völlig spaßbefreit kennt Cory Doctorow nicht. Dieser Autor verfügt über einen herrlich subversiven Humor, einen gesunden Sarkasmus und entlässt seine Leser nicht ohne hilfreiche Gegenmaßnahmen zu skizzieren. Dabei lässt er nicht unerwähnt, dass wir auf die Politik nicht zählen sollten. Diese kann oder will aus Gründen den monopolistischen Konzernbestrebungen und dem aufkommenden Autoritarismus keinen Einhalt gebieten. Wir müssen mit den Füßen abstimmen und das stimmt mich leider extrem pessimistisch, weil ich bei mir selbst feststelle dass Faulheit und Bequemlichkeit mir da manchmal deutlich im Wege stehen. Fatalismus angesichts der Zustände weltweit macht sich breit. Dabei zielt Enshittification genau in die entgegengesetzte Richtung, möchte die Deutungshoheit und Handlungsmacht an uns zurückgeben. Es gibt Auswege und Alternativen. Doch so hoffnungsvoll Cory Doctorow auch ist, letztlich kommt es auf jede/n einzelne/n von uns an um sich dem aufkommenden Faschismus, der Unfreiheit und dem Neofeudalismus entgegenzustellen ganz zu schweigen von Klima – und Ökokatstrophe. Doctorow erläutert überzeugend, warum ein befreites Internet der richtige Weg dazu ist und er ist damit nicht alleine.
Die Dreistigkeit mit der Politiker heutzutage zugunsten einer marginalen reichen Minderheit jene ausnehmen denen sie zu dienen versprachen ist immer wieder üunagnehm überraschend unfassbar für mich. Noch unbegreiflicher ist allerdings die Dummheit der Menschen die diesselbe Sorte an Politikern immer wieder auf’s neue wählen und nun aus verständlicher Frustration dazu übergehen konsequenterweise gleich die ganz besonders korrupten Politschädlinge zu wählen um die Qual der Wahl ein für allemal zu beenden.
Sorry, ich entschuldige mich für die massive Verbreitung meiner schlechtgelaunten Gedanken und warne vorab: Wenn ich erst Kohei Saitos „Am Ende des Fortschritts“ hier bespreche: … „flieht, ihr Narren!…
Enshittification kann ich dennoch allen wärmstens empfehlen. Es läuft alles mies, dann seid ihr wenigstens bestens darüber informiert wer daran schuld ist. Und vielleicht kündigt der eine oder die andere dann Amazon Prime, oder ein Streamingportal oder überlegt dreimal welche Kaufentscheidungen sie oder er trifft.
Enshittification von Cory Doctorow erschien im Mai 2026 als Hardcover bei Blumenbar. Weitere Informationen bei Klick auf das Cover oder auf der Verlagsseite.

Ja, ich fürchte so ist es, nur irgendwann ist man so genervt, dass man die Arbeit in Kauf nimmt. Das ist meine Hoffnung. Und dass so reguliert wird, dass Monopole beschnitten werden und neue Anbieter einen Fuß in den Markt bekommen.
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Mich beschäftigt vor allem die Hoffnung, wir könnten mit den Füßen abstimmen. Das klingt sehr demokratisch, solange Amazon Prime, Streamingdienste und das bequem eingerichtete Smartphone nicht im selben Raum stehen.
Genau darin scheint Doctorows Diagnose unangenehm präzise zu werden: Wir wissen längst, dass viele Plattformen schlechter werden, Gebühren steigen, Funktionen verschwinden und Abhängigkeiten wachsen. Trotzdem bleiben wir, weil der Wechsel Arbeit macht.
Damit besitzt die Enshittification einen unschätzbaren Verbündeten: unsere Bequemlichkeit.
Der Konzern muss uns also gar nicht vollständig überzeugen. Es genügt, wenn Kündigen, Wechseln und Neuorientieren ein klein wenig lästiger sind als weiteres Bezahlen.
Vielleicht ist das die eigentliche Meisterleistung des modernen Monopols.
Nicht dass man seine Kunden glücklich macht.
Sondern dass man sie gerade unglücklich genug macht, damit sie schimpfen – aber nicht gehen. 🦌
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Danke! :-)
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Deine schlechtgelaunten Gedanken kann ich sofort nachvollziehen!!!!
Ich arbeite im IT-Umfeld und stimme dem Genannten. Das Buch habe ich mir NOCH nicht zugelegt. Danke für die Erinnerung und ich bin gespannt auf Kohei Saitos „Am Ende des Fortschritts“
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Sehr gerne und viel Spaß trotz des Inputs
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Kommt auf die Liste, danke für den Tipp!
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