Als großes Fangirl von Jodi Picoult wusste ich grob, was auf mich zukommen würde. Ein „packendes Gerichtsdrama“, so wurde beim neuen Buch getitelt – da muss man, das ahnte ich, sich warm anziehen, denn Spannung zu erzeugen ist eine der leichtesten Übungen für die Amerikanerin. Jennifer Finney Boylan, die Co-Autorin in diesem Buch, kannte ich bis dato nicht und ich muss ehrlich gestehen, ich habe dem Buch nicht angemerkt, dass da noch jemand außer Jodi Picoult mitgeschrieben hat – was man gut oder schlecht finden kann. Im Nachwort schreibt Jennifer Finney Boylan auch, dass sie und Jodi Picoult einzelne Kapitel allein schrieben, dass diese dann aber mehrfach zwischen ihnen hin- und hergingen, und so liest sich der ganze Roman auch tatsächlich wie aus einem Guss.
Um was geht es ? Zwei Teenager, Asher und Lily, lernen sich an der Highschool kennen und verlieben sich. Wenige Monate später ist Lily tot und Asher wird des vorsätzlichen Mordes beschuldigt.
Was ist passiert? In Rückblicken erfahren wir, wie die Liebesgeschichte begann, aber auch, was lange davor war und was die beiden zu dem formte, was sie 2018 waren, als Lily starb. Wir lesen aber natürlich auch, wie das Leben von Asher und seiner Mutter Olivia nach Erhebung der Anklage weitergeht. Aus Sicht von Olivia bekommen wir das Hier und Jetzt und auch Einblicke in Ashers Vergangenheit geschildert; durch Lilys Gedanken, die wie Tagebucheinträge anmuten aus der Zeit, bevor alles passierte, bekommen wir fantastische Innenansichten dieser Persönlichkeit präsentiert.
Wie gewohnt werden die einzelnen Versatzstücke nach und nach zu einem sinngebenden Ganzen zusammengepuzzelt und obendrein bekommt man neben dem Gerichtsdrama, das es wirklich in sich hat, auch noch sehr viel über Bienen und Honig mit. Ist man ein etwas ungeduldigerer Leser, so wie ich, und bei einem derart spannenden Buch etwas „handlungsorientiert“ unterwegs, kann man die detailverliebten Szenen über die Bienen auch getrost schwungvoll überblättern …
Innerhalb kürzester Zeit hatte mich der Sog erfasst, da hatte ich eben auch keine Lust mehr auf Honigdetails, so interessant sie per se sind. Nur zwei Tage hielt der dicke Schmöker, das will was heißen. Zur Zeit lese ich eigentlich kaum dicke Bücher, aber bei Jodi Picoult konnte ich ziemlich sicher sein, dass sie mich nicht enttäuscht und ich schnell wie der Wind durch diese Seiten sausen werde …
Liebesgeschichte, Gerichtsdrama, Familendrama, Coming-of-age – alles gekonnt verknüpft und als roter Faden dient der Honig und das Imkern. Das Ende ging ein bisschen schnell, da hätte ich noch die eine oder andere Nachfrage gehabt, kann aber dazu nicht viel sagen, da ich ansonsten spoilern würde und der Roman ist ingesamt, das muss man zugeben, ein bisschen sehr amerikanisch. ;-) Das ist nicht schlimm, muss man aber wissen. Wer auf so was gar nicht steht, ist hier falsch, wer aber eine filmhafte, sogartige Lektüre sucht, wird mit diesem Buch glücklich und bestens unterhalten werden!
„Wildhonig“ von Jodil Picoult und Jennifer Finney Boylan ist bei C. Bertelsmann erschienen und wurde von Elfriede Peschel ins Deutsche übersetzt. Mehr Informationen zu Verlag oder Buch gibt es durch einen Klick auf das Buchbild oder den Verlagsnamen.


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