How to Känguru

Eine kurze Bedienungsanleitung für „Die Känguru-Verschwörung“

Das Vorwort des Verlags ist unbedingt zu lesen. Witzig!

Das Interview mit dem Känguru im Anschluss kann man sich sparen, das gibt es witziger auf Youtube. In bewegten Bildern. Da ist es wieder witzig.

Überhaupt ist Autor Marc-Uwe Kling witzig, einer der witzigesten Gesellschaftsbetrachter und Kritiker überhaupt. Ich bin von großen Teilen seines Schaffens erheblich begeistert. Spiele, Bilderbücher, Alles ums Känguru, teilweise sogar seine musikalischen Ausflüge. Er ist ein großartiger Kleinkünstler. Ein Großkreativer. Schade, dass die Verfilmung von Qualityland scheiterte. Gerade die USA als Drehort passten wie Faust auf Auge. Eimer auf Deckel, Schwerter zu Pflugscharen …

Der erste Känguru Film allerdings hat mich böse erwischt. Waren die Trailer schon abschreckend war es der Film noch mehr. Glücklicherweise auf DVD ausgeliehen und fast unbesehen zurückgebracht. Mein Geschmack war es nicht.

Wie kürzlich im Logbuch netzpolitik podcast so schön gesagt wurde, scheint der zweite Film besser zu sein. War aber auch nicht schwer, so der Tenor.

Glücklicherweise habe ich das Storyboard zum Film vorliegen und auch wenn es irritierend ist, dass Marc-Uwe im Film besser aussieht als #therealmarcuwe, was mich als treuen aber illoyalen Fan des Autors (FanIn?) Irgendwie bedrückt, macht es Spaß. Ja die Dunkelrestaurantkritikszene ist etwas selbstplagiierend, bisi oldschool und mittelwitzig, dafür ist der Name des fiktiven? Etablissements ganz nah an Genialität grenzend. Auch die beliebten popkulturellen Anspielungen und falsch zugeordneten Zitate fehlen nicht und die gesellschaftliche Aktualität ist dank der zuhauf teilnehmenden VerschwörungserzählerInnen top. Viele Gags wurden receycelt. Schlecht sind sie deswegen nicht aber treuen LeserInnen halt bereits bekannt.

Allgemein finde ich es interessant erschreckend, was die die Leutchen alles so glauben, wenn mal so ne kleine weltweite Pandemie auftaucht. Das hätte ich nie geglaubt auch wenn Freunde von uns ihre Kartoffeln nach dem Mond ernten und so kleine bunte Steine in den Wasserkaraffen hatten, denen sie spezielle Eigenschaften zutrauten. Zumindest „kann es nicht schaden“.

Aber was heutzutage alles so geglaubt wird, unfassbar. Damit sind wir jetzt auch beim Thema des Comics. Um die Mutter seiner Angebeteten aus dem „Kaninchenbau“ des irrationalen Glaubens zu befreien machen sich der Held und Marc-Uwe auf, verwetten darauf sogar ihre preisgünstige Mietwohnung in Berlin. Die auf diesem Roadtrip erwartbaren Abenteuer sind witzig und füllen Buch und wohl auch Film.

Gezeichnet in storyboardkonformen, schwarzweiß gehaltenen Bildern und Paneels, die leicht verschwommen aber dennoch aussagekräftig sind. Diese Darstellung hat einen gewissen schlamperten Charme.  Ab und an wird es detailreicher.Die Art der Darbietung ist gefällig, die Geschichte rasant erzählt und, leider, absolut mainstreamtauglich. So wohl auch der Film, wenn es nach meinem Ältesten und seinem besten Buddy geht. Beide Kängurufans seit Jahren, seit Jahren wird in der family aus den Kängurubüchern zitiert, wir sind mit den Hörbüchern in Urlaub gefahren, der coole Englischlehrer hat so die Zeit vor den Ferien überbrückt …  Die Youngsters waren absolut angenervt. Bemängelten dasselbe wie ich. Mainstreamtauglich, Gagwiederverwertung. Dabei war ihre Erwartungshaltung nicht sonderlich groß, also Ratzupaltuff …

Wird „Die Känguru-Verschwörung“ das Volk lehren, fürderhin nicht jeden Scheiß zu glauben und den Rattenfängern vom rechten und anderen Rändern nicht Geld und Zeit und Applaus in den Rachen zu stopfen? Ich hoffe und wünsche es. Gegen alle Vernunft, denn wie sagen schon uralte Schriftzeichen auf einer 3000 Jahre alten in Ninive ausgegrabenen Tontafel:

„Schaust du hin, so sind die Menschen insgesamt blöde.“

Geblieben ist mir vom Comic auch, dass wir insgesamt mehr Kängurus brauchen, in Deutschland und weltweit. Und mehr kritische Betrachtungen seitens cleverer philosophiestudierter Kleinkünstler, die das Dialogschreiben wirklich draufhaben. Stempel WITZIG passt.

Die Känguru-Verschwörung – der Storyboardcomic zum Film von Marc-Uwe Kling, Jan Cronauer und Axel Eichhorst ist im August 2022 als Hardcover bei Ullstein erschienen. Weitere Informationen bei Klick auf das Cover oder auf der Verlagsseite.  

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