Von Flop zu Top, wie ein anfangs nerviges Buch mich um den Finger wickelte

 

Ransom Riggs „Haus der besonderen Kinder“ spielt auf einer Insel, wie auch T.J. Klunes „Heim für magisch Begabte“. Riggs Haus liegt auf einer Insel, Klunes Heim ebenfalls. Die Kinder sind in beiden Fällen Waisen, die HeimleiterInnen, in Klunes Fall männlich, bei Riggs weiblich haben spezielle Fähigkeiten. Der Zauber den Ransom Riggs in „Die Insel der Besonderen Kinder“ entfaltet fehlt anfänglich bei Klune. Dort lernen wir zuerst den Protagonist Linus Baker kennen, einen ängstlichen, verweichlichten Buchhalter dessen Behörde für die Überwachung der magisch begabten Kinder zuständig ist. Linus Baker ist ein Langweiler. Das Äquivalent des Klischees Singlefrau mit Katze.

Er beginnt aufzublühen als er einen Spezialauftrag bekommt und sich am Meer von dem er immer träumt wiederfindet um ihn zu erfüllen.

Das zieht sich, ist voller Moralismen, und recht durchschaubar scheint die weitere Handlung.

Aufgrund der vielen Ähnlichkeiten, die definitiv nach Plagiat rochen, las ich den Fantasy von Beginn an sehr ungnädig. Wer viel Fantasy Erfahrung mitbringt wünscht sich Neues aus dem Genre. Innovative Ideen, ein faszinierendes Setting und ich mag es auch, wenn Zug bei der Handlungs ist. Dieser wird hier durch das mysteriöse Allerhöchste Management“  dessen Interessen in dieser postapokalyptischen Gesellschaft, die mit magisch verwandelten Menschen umgehen muss, die Behörde verwaltet und überwacht, aufrechterhalten. Dieses Geheimis möchte man als LeserIn gelüftet sehen. Dabei behält sich der Autor viele Seiten zur Personalentfaltung vor, immer durchsetzt mit kleinen Anspielungen um Sog zu erzeugen. Mich hat das eher genervt.

Stilistisch gab es an der zwar traditionellen, aber sehr angenehmen Erzählweise nichts zu mäkeln. Die Sprache wechselt je nach SprecherIn so  wie sich auch das Niveau anpasst. Es geht gefühlig zu bei Mr. Klune, da werden Intentionen ausgeprochen und mimischer Kontext erläutert, Gedanken und Ängste in Worte gefasst, dabei berichtet Klune seidenweich und federleicht mit sehr feinem Humor, der im Gegensatz zu anderem wirklich fein und sanft daherkommt. So sachte wie die Wandlung des Linus Baker vom Nihilisten zum Einmischer und lebensfrohen Positivisten.

Dieser Wortwechsel zwischen dem Elementar Zoe und Linus Baker dem Waisenhausprüfer spiegelt die Art, wie der Autor seine Geschichte darbietet ziemlich exakt:

„Der war jetzt aber ziemlich platt.“ „Mag sein. Aber irgendetwas sagt mir, dass man mit subtilen Anspielungen bei dir nicht weit kommt.“

Gefühle, Stimmungen und Befindlichkeiten der Protagonisten werden gut seziert dargelegt. Ein Glücksbuch für Menschen die Empathie noch üben. Die anderen könnten ein wenig erschlagen sein.

Vorhersehbar war der Roman ebenfalls, einerseits ärgerlich, andererseits entspannend. Hört sich das bis hierher alles einigermaßen ambivalent an? Aus Gründen! Denn trotz all der wahren aber wohlfeilen Lebensweisheiten gab es wunderbare Charaktere, ein differenziertes Abbild der unperfekten, oft grausamen Welt und kauzige liebenswerte Fantasycharaktere. Und ja, ich konnte mich dem Zauber dieses naiv optimistischen Romans nicht entziehen, der sich letztendlich als eigenständige Welt, die unserer sehr nahesteht, entpuppte. Langsam begann die Geschichte um den frustrierenden Linus Baker mich einzufangen. Im letzten Drittel war ich Fan der Good Vibes und der herzensberührenden spziellen Kinder. Ab und an kamen noch zynische Gedanken aber einer Story, die klingt wie Musik von Jack Johnson kann ich mich nicht erwehren. So war am Ende für mich alles gut. Nein, bestens. Aus einer Walddorf und Stadtler Leserin wurde jemand der so sehr auf ein Happy End hoffte, allen Zynismus und alle Spottlust hinter sich ließ und diese verdeckte Buchperle einfach nur genossen hat.

Mr. Parnassus Heim für magische Begabte von T.J. Klune ist im Mai 2021 als Softcover bei Heyne erschienen. Weitere Informationen bei Klick auf das Cover oder auf der Verlagsseite.

 

5 Gedanken zu “Von Flop zu Top, wie ein anfangs nerviges Buch mich um den Finger wickelte

  1. Ach witzig, damit hatte ich gar kein Problem, an den Humor musste ich auch erst rankommen. Mich hat der permanent erhobene moralische Zeigefinger gestört, da musste ich lernen toleranter zu werden. 😉

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  2. Diese nüchterne Atmosphäre mit den ganzen „Beamtentum“ und das witzige, das ich etwas gezwungen fand. Im Laufe der Geschichte fand ich das aber gut, dass das so genau beschrieben wurde, damit man das besser nachvollziehen kann. Und ich hab dann auch in den Humor reingefunden 🙂

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  3. Ich vergleiche ganz gerne, und anfangs erschien es mir wirklich wie ein Plagiat. Am Ende fand ich es ebenfalls sehr schön, trotz aller Kritik. Weshalb tatest du dich anfangs schwer?

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  4. Huhu!

    Ich mag ja solche Vergleiche mit anderen Büchern nicht so gerne – klar, auch hier gibts eine Insel mit besonderen Kindern, aber es sind nunmal zwei völlig verschiedene Geschichten, die ansonsten rein gar nichts miteinander zu tun haben…

    Bei den ersten Seiten hab ich mich aus anderen Gründen etwas schwer getan, aber mich hats von Anfang an fesseln können und ich fand es insgesamt ein wunderschönes Buch mit wunderschönen Botschaften – die dürfen dann auch gerne so präsentiert werden wie es hier der Fall war, weils einfach wunderbar zu Herzen geht 🙂

    Liebste Grüße, Aleshanee

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