KI’s können auch trinken und wüste Schimpftiraden von sich geben

Es gibt viele ungleiche Paare in der Literatur und im Film, doch das von Seth Fried geschaffene, kommt bei mir in die Top 5 der skurrilsten Gespanne. Der hier vorliegende ‚Buddy‘-Roman dieses ungleichen Paares, spielt in der nahen Zukunft.

Metropolis ist das Vorzeigeprodukt der Städteplaner und der Traum von Henry Thompson, ein spießiger Mitarbeiter beim Bundesamt für kommunale Infrastruktur. Wegen seiner sehr ausgeprägten Pedanterie, ist Henry nicht sehr beliebt bei den Kollegen. Ein Traum geht für ihn in Erfüllung, als er zum Außeneinsatz in die geliebte Stadt muss. Zu ihm zur Seite, wird die KI OWEN gestellt. Und so spießig Henry auch sein mag, so ausgefallen ist OWEN. Die Projektion der mitgenommenen Krawattennadel, flucht, trinkt, raucht (natürlich alles virtuell) und benimmt sich recht sonderbar.

In Metropolis angekommen, werden beide schon sehr schnell in Probleme und Schießereien á la James Bond verwickelt.

Seth Fried ist ein sehr unterhaltsamer Roman gelungen, auch wenn sich der Gegensatz zwischen Henry und OWEN auf die Dauer etwas abnutzt. Auch greift Henry sehr schnell zu den von OWEN vorgeschlagenen Methoden um weiter zu kommen, meines Erachtens dann doch zu schnell. Nett sind die ungewöhnlichen Methoden OWENs der ein paar witzige und neue Ideen hat, so z.B. das betrunken-werden einer KI, streng nach Algorithmus berechnet.

„Das ist ein Programm, das ich für mich selbst geschrieben habe. […] Wenn ich einen Schluck trinke wird eine Abfolge komplexer Mathematikaufgaben erzeugt, die die Prozessoren meines Interface überbeanspruchen. Das zieht Ressourcen von meinen entbehrlichen Funktionen wie soziale Intelligenz und Selbstbeherrschung ab.“

Auch die folgende Szene ist typisch für die Dialoge der beiden ungleichen Ermittler:

„‚Fünfhundert pro Nacht, und es gibt noch nicht einmal ein Bad hier oben?‘ OWEN zog ein verwirrtes Gesicht. ‚Zahlen Menschen mehr Geld dafür, näher am Klo zu sein?‘ ‚Irgendwie schon.‘ ‚Entschuldigung, aber sie müssen zugeben, dass man eigentlich intuitiv das Gegenteil erwarten würde.'“

Ein wenig Blödelei, Men in Black oder Leg dich nicht mit Zohan an ist schon dabei, leider geht das, wie in den Filmen, zu Lasten der Atmosphäre und auch die Beschreibung der Zukunft und der Stadt Metropolis bleibt auf der Strecke. So ist das Buch, zwar unterhaltsam, aber doch eher an der Oberfläche. Amüsant fand ich es trotzdem, nachhaltig ist es nicht geblieben. Nur der Algorithmus zum Betrunken werden, ist mir im Kopf geblieben. Ein nettes Buch mit ungewöhnlichen Helden für zwischendurch.

Auch schon von Thursdaynext hier rezensiert.

Der Metropolist von Seth Fried ist im Juli 2019 als Softcover beim Heyneverlag erschienen. Weitere Informationen durch Klick auf das Cover im Beitrag oder auf der Verlagsseite.

 

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