Berliner Stadtblatt Nr.26

JohnQube @ pixabay

Heinz Eduard, ein für die Widersprüchlichkeiten dieser Stadtlandschaft recht unbekümmter Zeitgenosse, geht auch an diesem verregneten Dienstag wie stets nach Plan vor.

Er frühstückt am offenen Fenster, während der feinstimmige Gesang des Dresdners Knabenchors den Raum leicht anhebt.

Aller akustischen Erhabenheit zum Trotz schlurft Heinz hörbar genußvoll von seinem brühheißen Kaffee, bevor er sich vorfreudig seiner mit Erdbeermarmelade bestrichenen Croissant – Hälfte zuwendet.

Heinz Eduard hat es nicht eilig. Diese Zeiten sind nun endgültig vorbei.

Nicht das er es nicht versucht hätte. Das hat er. Über alle Maßen. Da dies aber auch nicht zum gewünschten Erfolg führte, war es Zeit für ein Einsehen. Die Segel zu streichen und von Bord zu gehen. – Nicht um aufzugeben. Oder gar Anderen etwas vorzuwerfen. Nein.

Aus reinem Trotz dem Gang der Welt gegenüber, der auch ohne ihn ganz gut auszukommen schien.

Also warum dann nicht einfach nur er selbst sein? Mit dem, was ihm wichtig erscheint. Selbst wenn das im Allgemeinen als beachtlich wenig verstanden wird. – Tiefenwahrnehmung vorausgesetzt.

Eins mit dem Messer bestreicht er sachte die zweite Croissant – Hälfte mit Obstblütenhonig aus dem Umland, den er bei einem kleinen Künstlerstraßenfest im Spätsommer erstanden hat.

Auch dort war er seinem Naturell gefolgt. Jedem Menschen mit einem Lächeln zu begegnen und bei Bedarf ermutigende Worte zu formulieren.

Er kauft auch. Nicht alles und gewiss nicht zu jedem Preis. Doch ist er stets darum bemüht, Menschen echte Wertschätzung für ihre Arbeit entgegenzubringen.

Gerade weil ihm das nie widerfahren ist.

Heinz Eduard wollte wissen, wie Menschen darauf reagieren. Und bis jetzt ist er doch ganz zufrieden, denn bis heute ist ihm niemand an den Hals gesprungen oder hat gar mit Haß erfülltem Blick ein Messer gezückt.

Ganz im Gegenteil: Die Menschen freuen sich, bedanken sich und richten sich merklich auf.

Also warum wird mit Anerkennung so sparsam gehaushaltet? Allein die Marketingabteilungen dieser Welt scheinen Anerkennung noch als ein zweckdienliches Mittel zu sehen.

Und wenn dies als Alarmsignal für ein gesellschaftliches Miteinander nicht genug ist, dann weiß Heinz Eduard auch nicht, was noch alles erst alltäglich werden muß, bis diese Gesellschaft einmal inne hält.

Daher rüstet sich dieser Don Quichotte der authentischen Anerkennung mit Namen Heinz Eduard Klompke für einen weiteren Tag in seinem essentiellen Kampf gegen die übermächtigen Windmühlen einer vom Warenangebot erschlafften Wahrnehmung.

Mehr weiß ich allerdings auch nicht

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