Krumme Geschäfte

IntrigenEs ist Anfang September und Léon Duval ist angekommen in Cannes. Er bewohnt das Haus seines verstorbenen Vaters, das er sich auf gerichtlichem Wege erstreiten musste, nicht nur sondern lebt dort auch. Die anstrengenden Sommermonate mit den Strömen von Touristen neigen sich dem Ende zu und die Cannois haben ihre Stadt wieder fast für sich alleine.

Kriminaltechnisch gesehen jedoch bleibt es aufregend. Ein Toter wird gefunden, doch der Fall geht nicht an Duval, sondern an einen jungen, dynamischen Kollegen mit effizienter Erfolgsquote. Duval allerdings bleibt mit seinem Team, das mittlerweile zusammengewachsen ist, die Aufklärung eines Schmuckdiebstahls im Hotel de Beauséjour. Das Hotel ist eines der wenigen kleineren charmanten Hotels, das seit Jahrzehnten familiengeführt wird.

Während Duval das Hotelpersonal befragt und Spuren nachgeht, wird der Mord durch den Kollegen rasch und ohne große Informationen für gelöst erklärt – das kommt Duval merkwürdig vor und wie sich im Laufe der Ermittlungen zeigen wird, nicht zu unrecht.

Persönlich hat Duval auch einiges zu klären, steht er doch seitdem er sein Erbe gegen seinen Halbbruder einklagen musste nicht gerade auf gutem Fuß mit ihm. Aber das Gefühl, in Cannes verwurzelt zu sein, stellt sich immer mehr ein. Die Zusammenarbeit mit dem Team gelingt immer besser, man kennt sich langsam und weiß, wie man sich gegenseitig zu behandeln hat. Mehrere Fährten müssen verfolgt werden und schlussendlich gelingt es auch, diesen Fall – oder sind es gar mehrere Fälle, die ineinander greifen – tatsächlich aufzuklären.

Christine Cazon hat in ihrem zweiten Fall für Kommissar Duval gut zugelegt, was Spannung und Plot angeht. War schon der erste Fall Mörderische Côte d’Azur ein grundsolider Krimi, so ist es ihr im zweiten Band um den etwas eigenbrötlerischen aber sehr sympathischen Léon Duval und sein bunt zusammengewürfeltes Team gelungen, noch eine Schippe draufzulegen. Sprachlich ausgereifter und präziser liest sich die Geschichte um die vielfältigen nicht ganz astreinen Umtriebe der in Cannes ansässigen Geschäftsleute sehr flott und unterhaltsam.

Cazon verleiht ihren Figuren durch ein paar kleine Pinselstriche hier und da mehr Kontur, ohne sich das Potential für weitere Charakterisierungen zu nehmen. Geschickt flicht sie Persönliches ein und verleiht dem Krimi damit eine bunte Note, die den eigentlichen Erzählstrang nicht überdeckt. Das macht Spaß und zwar gewaltig.

Die Atmosphäre der Côte d’Azur fängt Cazon so authentisch ein, dass sich der Krimi angenehm abhebt von anderen Regionalkrimis, die in letzter Zeit vor allem in touristisch attraktiven Gegenden angesiedelt zu sein scheinen. Hier wird das wahre Leben gezeigt, die Detailgenauigkeit ist nicht übertrieben und man merkt, dass die Autorin sich mit den Themen, die sie anspricht, auch tatsächlich und gründlich beschäftigt hat.

Bleibt nun nur noch abzuwarten, wie Duval und seine Mitstreiter sich weiterentwickeln werden, welchen Fall sie als nächstes auf den Tisch bekommen. Ich jedenfalls freue mich sehr auf weitere Fälle für Kommisar Duval, auch wenn damit der ein oder andere (fiktive) Mord verbunden sein wird.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 05. März 2015
  • Verlag : Kiepenheuer & Witsch
  • ISBN: 978-3-462-04751-6
  • Taschenbuch: 320 Seiten

 

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