Der Traum von der Hütte im Wald

Normalerweise kommt Weihnachten nicht unbedingt plötzlich jedes Jahr auf mich zu, immerhin ist das Datum ja allseits bekannt, aber ganz so früh, wie in diesem Jahr habe ich mich noch nie mit Geschichten rund um das Weihnachtsfest befasst. Draußen ist es herbstlich, die Blätter färben sich rasch, die Abenddämmerung setzt täglich früher ein und der erste Infekt des Herbstes hat mich auch ein wenig lahmgelegt. Vielleicht war mir auch deshalb danach, Ingvild H. Rishøi nach einem kurzen Anlesen, das mich gleich gefangen nahm, innerhalb kurzer Zeit durchzulesen.

Ronja lebt mit ihrer älteren Schwester Melissa und ihrem Vater in Tøyen, einem Arbeiterviertel von Oslo. Die Familie ist klein, offensichtlich sind Melissa und Ronja Halbwaisen und der Vater mit Erziehung und Geld verdienen auf sich gestellt. Alles scheint soweit ganz gut zu laufen, der Vater bemüht sich, auch wenn es nicht leicht ist. Einzig Melissa erscheint in der Erzählung Ronjas immer irgendwie skeptisch oder auf der Hut zu sein. So wie Melissa habe ich mich nach und nach auch ein wenig auf der Hut gefühlt. Das Leben der Kleinfamilie barg noch ein Geheimnis, so schien es mir nach kurzem Einstieg in die Geschichte. Neugierig geworden, das Ronja nicht sah oder sehen wollte, Melissa aber sehr wohl erkannte, konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Wie so oft bei solchen Geschichten, sind es die Kinder, die alles am Laufen halten. Ein wenig ernnert das natürlich an Pippi Langstrumpf oder NIls aus Lönneberga, wobei Ronja und Melissa viel weniger Freiheiten besitzen, als die beiden vorgenannten. Dennoch sind es die Erwachsenen, die mit gegebenen Situationen oft nicht klar kommen und deshalb ihre Verantwortung den Kindern gegenüber nicht wahrnehmen (können). So ist es auch mit dem Vater von Ronja und Melissa. Zunächst ist er Feuer und Flamme, als es darum geht, den neuen Job, den Ronja ihm über den Hausmeister der Schule vermittelt hat, auszuführen. Er geht regelmäßig arbeiten und die Freude auf ein schönes Weihnachtsfest steigt. Ronja ist begeistert, doch Melissa ahnt, dass diese Euphorie nicht von Dauer sein wird.

Hin und wieder hatte ich bei der Lektüre Assoziationen zu anderen Geschichten im Kopf, allen voran zu dem wirklich sehr traurigen Märchen, das auch bei Rishøi genannte wird: Das Mädchen mit den Schwefelhölzern. Mich beschlich das Gefühl, dass die Geschichte um Melissa und Ronja nicht gut enden würde aber irgendwie weiß ich nicht, wie ich das Ende deuten soll. Gewiss, die Geschichte ist so etwas wie ein Märchen, natürilch muss eine Weihnachtsgeschichte nicht zwingend ein gutes Ende haben. Diese hier endet eher offen, womit ich prinzipiell kein Problem habe, aber was mich tatsächlich immer noch beschäftigt, ist die Frage nach einer Deutung des Ausgangs.Vielleicht hat ja der Eine oder die Andere die Gescichte auch gelesen und kann mir einen Hinweis geben.

Auf jeden Fall aber liest sich „Andere Sterne“ gut und auch sehr schnell weg. Die Figur der Melissa wurde für mich die aussagekräftigste, ihr konnte ich – auch durch die Augen ihrer kleinen Schwester betrachtet – am besten folgen.

„Andere Sterne“ ist als wunderschön gestaltetes Hardcover im September 2022 aus dem Norwegischen von Daniela Syczek übersetzt im Dumont Verlag erschienen. Für mehr Infos zum Buch per Doppelklick auf das im Beitrag abgebildete Cover oder direkt auf der Verlagsseite.

 

4 Gedanken zu “Der Traum von der Hütte im Wald

  1. Liebe Constanze, ich muss gestehen, dass die nordischen Lektüren noch ein wenig fremd für mich sind. Mein Mann ist da mittlerweile tiefer eingestiegen und sehr begeistert. Auch ein paar deiner Tipps meine ich, hat er sich schon vorgenommen. Ich weiß nicht, woran es liegt, dass ich da noch ein wenig fremdle, aber ich arbeite dran. Ganz liebe Grüße und viel Spaß auf der Buchmesse … Bri

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  2. Oh mei, Xmas, Winter … das Grauen. Bin gerade flachgelegt von noch nicht definierten Viren und so fällt das Herbstgeniessen aus. Von daher, nichts was auf die Wunschliste muss, auch mal gut 😉

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