Minsky

Martin Minsky war 1956 zusammen mit John McCarthy auf der Dartmouth-Konferenz einer der Erfinder der damals brandneuen wissenschaftlichen Disziplin die sich der der Erforschung der Künstlichen Intelligenz widmete.

Er glaubte ebenfalls an Kryonik und daran, den Geist des Menschen ,nach Ableben desselben eine weitere Existenzmöglichkeit zu geben. Zudem tat er sich auf den Gebieten der Mikroskopie und Robotik hervor. Es heißt von ihm er wäre freundlicher, radikal atheistischer Mensch gewesen. Minsky scheint wohl der Namensgeber jener titelgebenden Intelligenz zu sein welche große Teile eben jenes Romans erzählt.

„Harold“,Gretchen“, „Billy“ und nun „Minsky“.

Der, die oder das anonyme AutorInnenkollektiv, oder EinzelautorIn hat Minsky vollmundig mit „Minsky ist kein Buch, sondern ein Fluxkompensator“ angekündigt.

Zeitreisen ist also angesagt.

 

Wir befinden uns im Jahr 2048. Die Evolution ist weiter gegangen, KI oder Artifizielle Intellgenz übernimmt das Ruder. Minsky, eine davon, berichtet aus dieser Zeit indem sie sich in ein Schriftstellerhirn hackt. Leider ist die Verbindung mies, bricht öfter ab. „Nicht jeder Satz hier wird der meine sein, es wird verquer, grotesk, epileptisch …“ Yupp, exakt. Die wechselnden Erzählperspektiven sind lobenswert, nur die jeweiligen Erzählungen und Protagonisten dazu verliehen dem Roman leider dennoch keinerlei Charme.

Da ist zum einen die Außenseiterin Pax, ein, auch optisch leicht schräges Hurenkind, fähig mit Tieren irgendwie zu kommunizieren und auch sonst mit Gaben oder besser nicht vorhandenen neuronalen Eigenschaften ausgestattet, die sie zu etwas Besonderem machen. Pax lernt Jascha kennen, seines Zeichens „genialer Physiker“. Zusammen gründen sie „Die Gefährten“ , eine Firma die künstliche Intelligenz kreiert. So entstehen „Ada“ (nach Ada Lovelace) und „Minsky“. Pax ist im Gegensatz zu Jascha der für Logik und Ratio steht, für Metaphysisches und Unbegreifliches dabei. Im Roman ist die Übernahme der Macht der KI‘s logisch zwingend und für das Gros der Menschheit, laut Minsky  ein Wohlgefallen. Alles wird besser. Das wird in seitenlangem Geschwurbel begründet. Meister Eckardt ist auch dabei. Intelligenz siegt ist die Maxime der KI’s. Dabei sind sie erfreulich nett zu den evolutionären Verlieren und retten en passant den Planeten samt allen Bewohnern.

Dann gibt es noch Magnus, den jungdynamischen Anwärter auf den deutschen Kanzlerposten. Ein Politiker wie gemacht für Politikverdrossene und es steht deutlich im Raum, wenn auch nie ausgeprochen, dass in einer Demokratie die Wähler das bekommen was sie verdienen. Die KIs sind sowieso Diktatur Fans. Freundliche, fürsorgliche Diktatur wohlgemerkt. Tatsächlich musste ich bei Magnus sogar lachen. Wenn er seine demente Mutter besucht und sie ihm auf dem Holo voll positiver Erinnerungen ihr Yoghurtmüsli von September 2024 vorführt. 

Mit Magnus‘ (dessen Ähnlichkeit mit Christian Lindner ich als frappant erlebt habe)  Erscheinen machte sich bei mir das Gefühl breit ich läse wieder Qualityland. Nur qualitativ weitabgeschlagen und erheblich witzbefreiter.

Die Botschaften zur Lage der Welt was Diskursunfähigkeit und die Möglichkeit via Internet jederzeit die indivieduelle Meinung herauszuposaunen betrifft sind wahr und tragisch. Neu indes ist diese Betrachtung keineswegs. Der Glaube an eine allmächtige Artifizielle Intelligenz die die Macht übernimmt, einen künstlichen Perry Rhodan der Abhilfe bringen soll empfinde ich als gruselig, verquer und falsch.

Wer derzeit hofft, der Pandemie via erhebender, und niveauvoll humoriger Lektüre zu entkommen sei doppelt gewarnt. Weder erhebend noch virusfrei. Aktuelle Geschehnisse wurden mitverwurstet. Cancelculture, Rassismusbekämpfung, Social Media. Es ist so erwartbar öde. Alles schon mal dagewesen die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz, der Widerstand, die Gesllschaftskritik, die Feststellung dass der Mensch nicht die Krone der Evolution sein kann, wegen maroder Eigenschaften die nur individuell, nicht aber kollektiv verbessert werden können. Allerdings das Ende hat mich überrascht. Ein Ende über das ich, entgegen all der vorherigen Romane sehr froh war. Es gibt Bücher, die möchte man nicht weiterlesen, die möchte man, vom geschundenen Geist verweht, hinter sich lassen.  Einzlkindfans werden sich sicher fragen: Hat sie die Metaebenen nicht verstanden/ gefunden? Kann sein, aber ehrlich gesagt, ich glaube nicht, dass sie da waren. Ich denke da hat sich jemand um sehr viel Komplexität und Originalität bemüht und ist dabei in einer Thematik untergegangen, die andere SchriftstellerInnen davor schon wesentlich besser ausgeleuchtet haben. Sowohl stilistisch als auch inhaltlich. Smart -arse Style reicht nicht für gute Literatur.

Es steht also 3 zu eins. Die vorherigen Einzlkind Romane waren großartig, witzig, schwarzhumorig und handwerklich vom Feinsten.

Minsky von Einzlkind ist im Dezember 2021 als Hardcover bei Edition Tiamat erschienen. Weitere Informationen bei Klick auf das Cover oder auf der Verlagsseite.

 

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