Achte auf die Spiegel

NicevilleGegründet von vier Familien liegt Niceville am Fuße eines hohen Felsen, in dessen Mitte etwas Mysteriöses und an dessen Grund ein schwarzer See liegt. Legenden aus alter Zeit erzählen schon von den merkwürdigen Dingen die in und um Niceville geschehen. Es verschwinden Menschen. Sehr viel häufiger als in anderen Städten der USA und es handelt sich hier um tatsächliches Verschwinden – ohne Spur und ohne Wiederkehr.

Bis eines Tages Rainey Teague buchstäblich vom Erdboden verschluckt und nach zehn Tagen dort gefunden wird, wo es überhaupt nicht möglich ist. Er fällt ins Koma und die Ermittler rund um Nick Kavanaugh tappen im Dunkeln.

Ein Jahr später gelingt zwei Räubern ein spektakulärer Banküberfall. Ein dritter Mann verhilft den beiden zur Flucht – ein Profi auf seinem Gebiet, das ist klar. Einer, der das Handwerk des gezielten Schusses perfektioniert hat und die Strukturen und Abläufe bei der Polizei bestens kennt. Trotz der gelungenen Flucht kommt es zu einer Schießerei zwischen Merle Zane und Charlie Danziger – nicht weniger Profis als ihr dritter Mann – die beide schwerverwundet überleben. Was hat sie dazu getrieben, sich dieses Duell zu liefern?


An diesem Punkt angekommen, verwebt Carsten Stroud seine äußerst geschickt aufgebaute und mit Spannung gespickte Handlung zwischen Dichtung und Wahrheit. Mysterium und Realität begegnen sich, obwohl sie auf unterschiedlichen Ebenen unterwegs sind. Nicht gänzlich durchschaubar sind die Zeit- und Raumebenen, aber zu erahnen. Und das macht einen Teil des Reizes aus, den Niceville auf den Leser ausübt.

Immer wieder zeigt Stroud Szenen aus unterschiedlichen Blickwinkeln, macht uns zu Verbündeten, versorgt uns mit mehr Wissen, als die Protagonisten. Das reizt und lässt das Buch nicht aus der Hand legen. Tiefste Verwicklungen tun sich auf, jeder scheint etwas zu verbergen zu haben oder etwas zu wissen, was ein anderer verbirgt. Ein Netz aus Lügen und Straftaten, aus Drohungen und Übergriffen entspannt sich und eines wird wieder einmal klar: Verbrechen lohnen nicht wirklich – oder? Vielleicht doch.

Der Zug, den die Geschichte entwickelt, erinnert an Winslows Kings of Cool – Stroud schreibt ebenso drängend und direkt, aber mit etwas mehr Witz und Freude an Hintergründigem. Übersinnliches driftet nicht zu weit ab, um nachvollziehbar zu sein. Das spricht auch Leser an, die sich nicht so gern mit Akte-X Fällen beschäftigen. Ein überaus gelungener Genre-Mix, der Lust auf mehr macht.

Glücklicherweise gibt es bereits Band 2 der Trilogie und der Abschlussband ist nun endlich auch in greifbarer Nähe …. mussten wir Leser doch so lange darauf warten. Doch wahre Qualität geht eben nicht am Fließband!

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 07. März 2013
  • Verlag : DuMont Buchverlag
  • ISBN: 978-3-8321-6212-2  
  • Taschenbuch, 506 Seiten

 

3 Gedanken zu “Achte auf die Spiegel

  1. Oh ja! Da fällt mir sponat Patrick Rothfuss ein, was trödelt eigentlich Jasper Fforde vor sich hin und George RR gar nicht zu erwähnen. Immerhin die Johns von Irving bis Niven legen vor😎

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.