Nein!

Hazel zieht mit ihrer Familie von New York in eine Kleinstadt. In den Ferien ist sie oft mit ihrem kleinen Bruder im Freibad und lernt dort bereits flüchtig den Schuldirektor kennen. Als sie am ersten Schultag ihres letzten Schuljahrs ins Büro des Direktors zitiert wird, denkt sie sich nicht dabei. Doch was passiert, ist unfassbar: Er lädt sie ganz unverblümt zum Sex mit ihm ein.
Es passiert nichts Körperliches.
Sie sagt NEIN.

Und dann setzt die eigentliche Story ein. Die Geschichte schildert, wie es Hazel seelisch geht, was dieser kurze Moment mit ihr macht, obwohl „nichts“ vorgefallen ist. Denn schon allein diese Macht, die dieser Mann in diesem Moment zu haben glaubt, verunsichert sie, schockiert sie und bringt sie durcheinander, je mehr sie über die Situation nachdenkt. Sie ist plötzlich ein Opfer, weiß nicht, wie sie sich verhalten soll. Sie will auch gar kein Opfer sein, sie hat doch nichts getan – zeitgleich fragt sie sich, ob sie überhaupt ein „Anrecht“ auf dieses Gefühl des Opferseins hat, denn ist es nicht anmaßend angesichts dessen, was eine Frau wohl fühlt, die vergewaltigt wurde?

Hazel teilt sich ihren Eltern mit und tritt eine Lawine los.

Die Sprache, der Schreibstil stehen bei diesem Roman nicht im Vordergrund. Manches war mir zu amerikanisch, manches zu oberflächlich; die Figuren sind nicht besonders klar gezeichnet, sie bleiben ohne besondere Tiefe, aber es geht hier um das große Ganze und das erreicht einen doch sehr!

Was für eine unfassbare Gewalt hat ein Mann über eine Frau? Er deutet nur etwas an, lässt den Machtmuskel spielen und katapultiert sie damit in eine völlig neue Lebenswirklichkeit.
Das ist es, was mich bei dieser Lektüre so erschüttert hat: Die Auswirkungen des Machtgefälles vorgeführt zu bekommen.

Interessant gelöst, Twists, die man so nicht kommen sieht – ich kann mir vorstellen, dass dieses Buch vor allem junge Frauen sehr anspricht und erreicht!

„Hazel sagt nein“ von Jessica Berger Gross ist 2026 als Hardcover im Bastei Lübbe Verlag erschienen. Übersetzt aus dem Englischen wurde es von Angela Koonen. Weitere Informationen bei Klick auf das Cover oder auf der Verlagsseite.

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