„Ich glaube, nuschelt unser Bisschen-Schüchterner Arm, es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass zwischen diesen beiden Ereignissen ein nenneswerter Zusammenhang bestünde. – solche Gleichzeitigkeiten ereignen sich andauernd, viele Male jeden Tag. Und das alles hat nichts mit Gott zu tun. Kein Gott, ruft daraufhin der Hehre. Und alle Arme stimmen ein: Kein Staat! Kein Patriarchat!
Hola die Tiefseefee, und was da im Wasser war hat mich komplett begeistert nachdem ich es nun trotz deutscher Buchpreisnominierung (ich kam in der Stabi am Cover nicht vorbei und nach kurzem reinschnuppern musste es mit nach Hause) gelesen habe.
Bereits nach den Anfangssätzen war ich bereit mich in diese andere Welt die Autor Luca Kieser so wunderschön beschreibt fallen zu lassen. Durch diese Erzählung zu treiben und sich auf jede neue Geschichte zu freuen die in diesem großartigen Roman berichtet wird. Die Arme, sie haben alle Namen, eines Riesenkalmars erzählen diese Geschichten, erzählen von Krill, von Ökosystemen, von der Gesellschaft der Welt unter und über Wasser und damit hat mich dieser Roman so verzaubert wie vor langer Zeit Ottfried Preusslers „Kleiner Wassermann“ der seine Unterwasserwelt im Teich erforscht und davon berichtet. Noch heute stehe ich gerne am Teichen und Bächen und träume mich hinein unter Wasser in ein anderes Leben so wie es einst Merlin in T.H. Whites Roman „Das Schwert im Stein“ dem Jungen Wart, dem zukünftigen König Arthur, kurzzeitig ermöglichte sich in einen Fisch oder einen Vogel zu verwandeln und mit ihren Sinnen zu leben, so nimmt Luca Kieser LeserInnen mit. Er zieht sie durchs durchs Wasser, durchs Weltall, durch Familiengeschichten, berichtet von geschundenen Ökosystemen, streift gesellschaftspolitische Verwerfungen, macht einen Rundumschlag und kehrt immer wieder zu den acht Armen seines tintigen Protagonisten zurück. Das liest sich ungewöhnlich aber dennoch sehr gut. Ist es experimentell, nein ich denke nicht etraordinnaire? Das sicher Luca Kieser beschränkt sich nicht, weder auf ein Genre noch auf die üblichen erzählerischen Gepflogenheiten. Er verschont aber die LeserInnen mit sinnfreien sprachlichen Experimenten. Dieser Roman hat einen roten Faden allerdings mehr wie ein Quipu, er ist zart verästelt, wobei die Fülle nicht überfordert sondern Vergnügen bereitet. Er schreibt außergewöhnlich und faszinierend. Und abgesehen vom Staat, den hab ich schon gern, aber nur demokratisch, reihe ich mich in den Schlachtruf der Arme oben im Zitat gerne ein 😉
Weil da war etwas im Wasser von Luca Kieser ist im August 2023 beim bei Picus Verlag als Hardcover erschienen. Weitere Informationen bei Klick auf das Cover oder auf der Verlagsseite.

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