Magische Papiere

Al (oysius) McBharrais ist Schotte, Witwer, lebt in Glasgow und befindet sich, euphemistisch ausgedrückt, in den besten Jahren. Zudem ist er Träger eines beeindruckenden Schnurrbartes. Offiziell Eigentümer einer Druckerei geht er einer, für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, äußerst wichtigen Profession nach. Er ist Siegelmagier und Agent. „Warum lässt die führende Göttin des irischen Pantheons ‚nen alten Schotten für sich ackern?“ Diese und andere wichtige Fragen werden in Kevin Hearnes neuestem Buch, einem Spin off der „Iron Druid Chronicles“, amüsant und kurzweilig beantwortet. So sehr ich mich auf Hearnes neusten „FunTasy“ gefreut habe, Fakt ist dennoch: Nichts kann einen Hund ersetzen!


Auch kein Hobgoblin (Kobold). Nicht mal wenn er witzig ist. Al McBharrais ist haustierlos, sieht man von seinem derzeitigen Sidekick, dem frisch gefundenen Hobgoblin Buck, mit dessen Unterstützung er hinter seinem, an einem Rosinenscone verstorbenen Lehrling „aufräumt“, ab. Besagter glückloser Azubi verhökerte Feenwesen jeder Art. Weshalb und an wen wird in diesem Fantasy Krimi geklärt. Nebenbei erfahren die LeserInnen etliches über Al, sein Handwerk und seine Welt. Wer auf einen sexy, coolen jungen Druiden hofft, wird von Al nicht begeistert sein. Er ist grumpy, kann sich meist nur via seiner Sprachapp auf seinem Handy verständigen und hat abgesehen von seinem Pech, mit Auszubildenden noch ein Problem ganz anderen Kalibers. Doch Geduld, dieser Siegelagent hat ebenfalls Qualitäten die bezaubern. Seinen missmutigen Humor, der an einen Detektiv Noir erinnert, dazu diese spezielle Magie, die fasziniert und seine Assistentin, die zugleich als Hackerin und Bodyguard fungiert. Dann wäre da noch seine Vorliebe für Gin Getränke (Schottland muss auf diesem Gebiet mittlerweile wirklich hervorragende Entwicklungsarbeit geleistet haben) und die interessante Stammkneipe mit sehr durchmischtem Publikum. Sexiness wird doch wirklich überschätzt.
Kevin Hearne ist ein Autor, dessen Antrieb die Freude am Schreiben und Fabulieren ist, seine Weltschöpfungen reichen an jene von Tad Williams heran, er flicht aktuelle Themen unauffällig und unaufdringlich in seine Geschichten ein. Dabei ist es sein subtiler Humor mit Mut zu gepflegter Albernheit, der den Charme und die Qualität seiner Stories ausmacht. Wirklich umgehauen hat er mich mit dem genialen Worldbuilding in seinen mit Co-Autorin Delilah S. Dawson geschriebenen drei Romanen um die „Tales of Pell“. Hier reiht sich Tinte und Siegel wunderbar ein. Auf den Folgeband „Paper and Blood“ freue ich mich schon, in der Hoffnung, dass er bald übersetzt und verlegt werden wird. Zwar lag „Ink and Sigil“ schon parat, bevor ich die deutsche Übersetzung in den Händen hielt, aber die Author’s Note: „…this book reflects the charming and unique way Scots employ English, and some of it is specifically Glaswegian (or Weegie).“ erwies sich als leicht abschreckend. Schon Owen Kennedy, der Erzdruide aus den Iron Druid Chronicles forderte meine Sprachkenntnisse mit seinem starken irischen Akzent heraus, als ich die Reihe auf Englisch weiterlas, weil die deutschen Veröffentlichungen zu langsam erschienen. Al McBharrais ist mit starken Akzent zwar ebenfalls sehr authentisch hemmt jedoch den Lesefluss gewaltig. Mit der Übersetzung bin ich nicht ganz glücklich, der Kobold heißt auch in der Übersetzung Hobgoblin, wobei das zugegebenermaßen besser klingt und so seine Berechtigung hat, aber das Kapitel „The Weegie Goth“ wird in der Übersetzung zu Weegie Goth. DeutschmuttersprachlerInnen welche das auf Anhieb verstehen dürfen sich gerne via Kommentar bei mir melden, um sich verdient virtuelles Lob abzuholen.
Mein Fazit: Hearne ist auch in „Tinte und Siegel“ ein Garant für niveauvolle, ironische, magisch eskapistische Unterhaltung. Es ist ein Vergnügen, seine Ideen und Figuren kennenzulernen.


Tinte und Siegel von Kevin Hearne ist im Februar 2021 bei Hobbit Presse Klett-Cotta erschienen. Weitere Informationen bei Klick auf das Cover oder auf der Verlagsseite.

2 Gedanken zu “Magische Papiere

  1. Ich mag es albern, das ist etwas, was ich an unter anderem Hearne wirklich schätze. Tatsächlich ist seine „ernsthafte“ Fantasy Reihe „A Plague of Giants“ , da gibt es ja jetzt schon den zweiten Band auf deutsch, das Einzige was ich bisher nicht von ihm gelesen habe. Ich hab es auf englisch und angelesen, aber es verließ mich die Lust. Eine Bekannte meinte, es würde sich durchaus lohnen und käme auch in die Puschen irgendwann aber noch liegt es rum.

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