TAUGTNIX, der neue Asterix

Leider scheitert dieser neue Asterix an meinen persönlichen Erwartungen. Was habe ich mich gefreut, als ich die ersten Gerüchte vernahm, dass bei diesem neuen Band die Tochter des Vercingetorix die Hauptrolle spielen soll. Eine Fusion von Pippi Langstrumpf und Greta Thunberg habe ich in der streitbar gezeichneten jungen Frau Adrenaline mit dem langen roten Zopf vermutet, die die Dorfjugend aufwiegelt, alles auf links dreht, fridays for future-Demonstrationen anzettelt, Nachhaltigkeit und Umweltschutz einfordert, unbeirrt den massiven Wildschweinverzehr anprangert und der Fangemeinde mal verklickert, dass Asterix und Obelix mittlerweile auch zu alten weißen Männern mutiert sind. Das wäre mal eine mutige, wie spannende und auch anarchische Auseinandersetzung mit den Figuren der Reihe gewesen. Doch weit gefehlt!

Was habe ich stattdessen gekriegt: ein recht spießiges Mädchen, das nur ein bisschen herumpubertiert, eigentlich quasi nur ganz wenig herumzickt und in ihren Grundcharakterzügen eher zu einer Enid-Blyton-Geschichte passt. Da haben die Autoren die einmalige Chance vertan, auch mal im Sinne der Jugend subversiv gegen die Dorfgemeinschaft beziehungsweise Asterix und Obelix vorzugehen und sie am Ende eines Besseren zu belehren. Heißt ja nicht, dass die beiden immer Recht haben und nie etwas dazulernen können oder dürfen.

Möglicherweise haben die Macher sich das aber nicht getraut, gerade weil das Zielpublikum der Reihe mittlerweile unter den alten weißen Männern und deren Frauen zu finden ist, die man nicht vergraulen wollte. Auch wenn die Fans mittlerweile in die Jahre gekommen sind, sollten wir alle nicht vergessen, dass die Geschichte von Anfang an im Zeichen der Revolution, Anarchie und der Subversion gestanden ist. Trotzdem wir nun der Reibepunkt dieser Abarbeitung am System sind, müssten wir alte Asterix-Revoluzzer sowas schon aushalten können.

Ewig verschenkt wurde dieses wundervolle Ausgangspotenzial. So kommt der ganze Comic viel zu brav und zahm daher, macht einen Kotau vor dem System der Dorfgemeinschaft, das es doch eigentlich ironisch und augenzwinkernd kritisieren sollte. Da wurde ja bei Asterix und Maestria, als die ersten feministischen Anspielungen in der Reihe vorgenommen wurden, tausendmal mutiger und witziger vorgegangen. Ich glaube, damals gab es deswegen sogar Stunk bei den Fans.

Was bleibt, ist eine nicht witzige, feige, langweilige Geschichte, die in ihren Ansätzen einfach steckengeblieben ist. Symptomatisch dafür ist auch der Umstand, dass die Jugendlichen sofort den Schwanz einziehen, als sie es wagen, auf Seite 33 den Müll im Meer und den exzessiven Wildschweinkonsum zu kritisieren und massiven Gegenwind von einem wütenden Obelix bekommen. Sie werden abgewiegelt, müssen sich dem tobenden rotbezopften fetten alten Mann unterordnen, die Argumente werden unter den Tisch gekehrt und es folgen leider keine weiteren Aktionen, weil sich die Kinder nicht mehr trauen. Ja, so stellen sich manche Betonschädln der alten Generation ein angemessenes Verhalten der Jungen vor. Gottseidank ist die heutige reale Jugend da wesentlich unangepasster und hartnäckiger, um mit dem Finger immer und immer wieder auf die Probleme unseres Planeten zu zeigen, auch wenn wir sie nicht hören wollen. Ich sag’s ja nicht gern, aber Asterix und vor allem Obelix sind bedauerlicherweise zu RÖMERN mutiert, sie sind im Laufe der Jahre zu dem geworden, was sie immer witzig bekämpfen wollten.

Sonst gab es noch ein paar jugendliche Namen wie Selfix, ein Mini-Aufbegehren – fast nur ein Sturm im Wasserglas – bei der Berufswahl der Söhne des Fischhändlers und des Schmiedes und am Ende siegte bei der jungen Frau Adrenaline die Liebe anstatt der wehrhaften Selbstbestimmung, was aber dann auch wieder zur eigentlichen Selbstbestimmung uminterpretiert wurde. Das ist soo patriarchalisch und Rosamunde-Pilcher-Kitsch, dass mir tatsächlich die Spucke wegbleibt. Dabei hätte ich die Autoren gar nicht so spießig traditionell eingeschätzt, denn im Papyrus des Cäsar (Band 36), und bei den Pikten (Band 35) haben sie durchaus bewiesen, dass sie moderne Themen sehr gut und witzig in den Ursprungsplot adaptieren können.

Fazit: Langeweile, zweimal Schmunzeln, kein einziges Lachen und eigentlich sehr viel Ärgerlichkeit in dieser Geschichte. Ich werfe deshalb TAUGTNIX und KANNNIX in die Runde der Fans.

Die Tochter des Vercingetorix – Asterix Band 38 von Jean Yves Ferri und Didier Conrad ist 2019 im Egmont  Verlag als Hardcover und als Comicheft erschienen. Nähere Infos zum Buch über einen Klick auf das Cover im Beitrag oder auf der Verlagsseite.

8 Gedanken zu “TAUGTNIX, der neue Asterix

  1. @Mikka Liest also wenn Du ihn noch nicht gekauft hast, empfehle ich unbedingt, ihn nur auszuborgen, sonst ärgerst Du Dich wirklich, vor allem wenn Du dieselben Erwartungen wie ich hattest

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  2. *schluchz* wie befürchtet…
    dabei hätte ich so gerne mal wieder einen Asterix der lohnt. Nach Aufsteiger Tod ging es mit dem Spiegel ja auch bergab, vielleicht rappelt sie sich noch auf.

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  3. Hallo,

    ach, verflixt… Ich habe den neuen Asterix noch nicht gelesen, hatte aber ähnliche Erwartungen daran wie du. Nee, ich glaube, den leih ich mir höchstens mal aus der Bibliothek – ich vermute, ich würde mich nur ärgern, dafür Geld ausgegeben zu haben.

    Ich muss meinen ältesten Bruder mal fragen, was er davon hält, der liest Asterix seit Eeeeewigkeiten. Gekauft hat er es bestimmt, er wohnt nur zu weit weg, das ich es mir mal von ihm ausleihen könnte.

    LG,
    Mikka

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  4. Schön, dass ich in deiner Besprechung auch vorkomme 😉
    Übrigens habe ich das Heft nach kurzem durchblättern wieder ins Regal gestellt.
    Da bin ich mit deinereiner meinungskonform.
    LG vom alten grauen..äh weißen Mann.
    (Mein Indianername: Der wo auf twitter auch als Frau duchgehen tut.)

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