Schäfers Qualen

Krimis habe ich schon als Kind gerne gelesen. Als erstes fiel mir Agatha Christie in die Hände. Meine Mutter kaufte sich von einem Vertreter (ja, so etwas gab es damals noch) eine fünfundzwanzigbändige Gesamtausgabe in feines Leder gebunden, in jedem Band gab es drei Geschichten von Hercule Poirot oder Miss Marple, der schrulligen alten englischen Lady. Fieberhaft wartete ich auf die monatliche Lieferung und verschlang die klassischen Who-dunnit-Krimis.

In der Pubertät erfasste mich dann die Science-Fiction-Sucht und erst viel später habe ich wieder Krimis gelesen. Erst Elisabeth George, die Agatha Christie verblüffend nahe kommt, aber ihre Romane vielschichtiger und epischer anlegt. Dann lernte ich die französischen Krimis lieben und stieß dann zu meiner Freude auf Österreich. Also auf die Schriftsteller dort. Steinfest oder Wolf Haas. Ganz so skurril geht es bei Georg Haderer nicht zu, aber ein vielversprechendes Debüt liegt hier vor. Voller Schmäh und subtilem schwarzen Humor. Und die Reihe besteht schon aus sechs Bänden, da kommt Freude beim Liebhaber der etwas anderen Krimis auf.

Major Johannes Schäfer wird aus Wien in seine Heimatstadt Kitzbühel gerufen, um einen brutalen Mord aufzuklären. Die Polizei dort ist überfordert und  der erfahrene Schäfer, wird nicht nur wegen seiner hervorragenden Aufklärungsquote, sondern auch wegen seiner örtlichen Kenntnis, aus der Hauptstadt gerufen.

„Dürfte ein Maurerhammer oder was in der Richtung gewesen sein, sind feine Metallspäne am Knochen. Schädel-Hirn-Trauma, hätte möglicherweise überlebt, wenn er nicht aufgehängt worden wäre. Als der Bergführer und seine Truppe ihn gefunden haben, war er höchstens ein bis zwei Stunden tot. Das wäre sich noch ausgegangen. Aber am Kreuz hängen, ist eben keine stabile Seitenlage.“

So die Beschreibung des ersten Toten. Als er auf dem Weg nach Kitzbühel ist, geschieht ein zweiter Mord. Auch dieser wird sehr kreativ verübt: Ein Bauunternehmer wird auf einer Baustelle einbetoniert und erstickt. Kitzbühel ist in heller Aufregung, es geht schließlich auch um die Touristen. Schäfer muss schnell handeln und einen Täter vorweisen. Doch was macht er? Hat er einen Plan? Nein! Er betrinkt sich, verliert seine Schuhe, die bei dem dritten Toten entdeckt werden. Doch der eigenwillige und unkonventionelle Schäfer hat nicht umsonst eine so hohe Aufklärungsquote und so ergibt sich ihm langsam ein Bild, das bis in die 70er-Jahre zurückreicht. Auch bis zur RAF!

Haderer hat einen sehr unterhaltsamen Krimi geschrieben, der einen etwas verwirrenden Plot hat, aber mit viel österreichischem Schmäh und Lokalkolorit daher kommt. Er übertreibt es aber nicht damit und so bleibt das Buch trotz aller schmunzelnden Unterhaltung doch sehr gradlinig, was den reinen Krimi-Fan erfreut. Wenn er dabei noch etwas lachen kann, so hat das Buch ihn schon gefangen. Ein vielversprechendes Debüt.

Schäfers Qualen  von Georg Haderer, der erste Fall des Wiener Kommissars, ist im Februar 2012 als Taschenbuch bei DTV erschienen. Für mehr Information zum Buch mit Klick direkt auf der Verlagsseite.

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