Geld oder Liebe

TraumtänzerSusy und Nick sind ein junges, mittelloses Paar in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, zwei, die beliebt sind, die wohlhabende Freunde und Bekannte haben, aber nicht wirklich zu ihnen gehören. Da beiden Geld, Luxus und Amüsement über alles gehen, beschließen sie, zu heiraten und sich im ersten Jahr nach der Hochzeit von den verschiedenen vermögenden Freunden einladen zu lassen und so das Leben zu leben, das sie sich wünschen – auch wenn dies nur ein Leben auf Zeit ist. Für ihre Verbindung gilt Ähnliches: Sie versprechen einander, den jeweils anderen freizugeben, wenn dieser eine „bessere Partie“ finden sollte. Vernunft regiert also, über Gefühle sprechen die beiden kaum, obwohl sie sich aus Zuneigung füreinander entschieden haben.

So verbringen sie ihre Zeit bei ihren Gönnern – man sonnt sich gern in Susys und Nicks Gesellschaft. Diejenigen, die schon länger verheiratet sind, deren Leben zwar von Reichtum geprägt sein mag, aber auch von Routine, genießen den frischen Wind und die beiden jungen Leute um sich herum, hoffen, dass von deren Jugend und Unbeschwertheit ein wenig auf sie abstrahlen möge. Susy und Nick müssen allerdings feststellen, dass an die großzügigen Einladungen Bedingungen geknüpft sind, – unausgesprochen, aber unmissverständlich. So kommt es zu Problemen. Wo sind die moralischen Grenzen des jungen Paares? Können sie diese Vorstellungen zurückdrängen, verleugnen? Und ist das alles dieses angenehme Leben am Ende überhaupt wert?

„Traumtänzer“ von Edith Wharton erschien im Jahr 1922, eine erste deutsche Übersetzung erschien 1995 unter dem Titel „Der flüchtige Schimmer des Mondes“. Wharton gilt als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen Amerikas, gewann den Pulitzerpreis: Es ist eine interessante Erfahrung, eines ihrer Werke heutzutage wieder zu lesen.

Whartons Erzähltempo ist eher gemächlich, ihre Geschichte verläuft geradlinig, sie nimmt sich Zeit dafür, über das junge Paar zu erzählen. Das führt aber auch dazu, dass sich einiges wiederholt. Der Verlauf der Geschichte ist recht früh vorauszuahnen. Wharton macht keine Schnörkel, beschränkt sich auf ein eher übersichtliches Personal und bleibt ganz bei Susy und Nick.

Lesenswert trotz einiger kleiner Längen ist der Roman deshalb, weil Wharton es schafft, dieses Milieu, das sie selbst genau kannte, erfrischend und mit einem Augenzwinkern abzubilden, zu entlarven – und auf diese Weise auch zu kritisieren. Natürlich stellt sie die alte Frage, ob dieser äußere Schein, ob die Oberflächlichkeit das alles wert ist, ob dieses Leben glücklich machen kann. Aus heutiger (Lese-)Sicht ist das alles nicht neu und man hat es so oder ähnlich schon gelesen. Aber „Traumtänzer“ ist ein Roman, der in diese Zeit entführt, eine Geschichte, in die man schnell eintauchen und von der man sich mitreißen lassen kann.

Buchdetails

  • Aktuelle Ausgabe : 10. Dezember 2012
  • Verlag : btb Verlag
  • ISBN: 978-3-442-74465-7
  • Taschenbuch: 432 Seiten

6 Gedanken zu “Geld oder Liebe

  1. Der Roman hatte mich auch angesprochen, als ich geschaut habe, was es von Wharton so gibt. Werde den mal im Hinterkopf behalten. Ja, die vergessenen Autoren! Finde ich auch gut, dass manche wieder entdeckt werden.

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  2. Solange das in den Romanen nicht Thema ist, bemerkt man so etwas ja nicht, sondern nur, wenn man sich weiter mit der Autorin beschäftigt. Ich habe schon nach Infos zu ihr gesucht, aber nichts in die Richtung gehend gefunden. Ja, vermutlich ist es so, wie Du sagst und sie war in der Hinsicht ein Kind ihrer Zeit. Klingt nach einem interessanten Buch, das Du da gelesen hast.

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  3. ja, das ist mir auch schon durch den Kopf gegangen, dass im Moment – aber schon seit einiger Zeit – vergessene Autoren oder Werke wieder ans Licht kommen. Ich finde das wunderbar, denn manchmal ist mir nach etwas, was aus der hektischen Zeit, in der wir leben, herausfällt.

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  4. Ich finde es gerade sehr spannend, wie ältere Werke und große Namen wiederentdeckt werden, sie wieder zurück ins Bewusstsein kommen. Das scheint irgendwie auch gerade ein Trend zu sein. Von Wharton habe ich vor einiger Zeit „Das Haus am Hudson River“ gelesen und der Roman hat mir sehr gut gefallen.

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  5. Den Roman kenne ich nicht…aber schön, wie ihr Whartons Stil beschreibt. Das passt – gemächlich, manchmal auch etwas aus der Zeit gefallen, manchmal mit Längen.
    Was mir an ihr mißfällt – das habe ich neulich in einem Band über Henry James gelesen, mit dem sie eng befreundet war: Es gab so eine Art Upper Class, zu denen auch sie als Schriftsteller zählten, die einen naserümpfenden Antisemitismus pflegten…ich muss mal eines ihrer Bücher dahingehend lesen. Aber da war sie wohl auch, leider Gottes, ein Kind ihrer Zeit.

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