Gefährlich lecker ein Sachbuch-Horrorthriller

Wer arbeitet kennt das Problem, einerseits möchte man die family und sich selbst gesund ernähren, andereseits ist Zeit ein rares Gut. Wie praktisch, dass die Industrie uns da weiterhilft mit leckeren Snacks die angeblich auch noch gesund sind, mit Fertiggerichten die schnell gemacht sind, überhaupt mit schnell verfügbarem Essen.

Ich bin supergesund ernährt worden in meiner Jugend, was ich meiner Omi zu verdanken habe, die als es noch nicht Hype war, bereits vegetarisch lebte im Reformhaus einkaufte und alles selbst machte außer Kuchen. Backen war nicht ihres.

Jeden Tag Salat, Gemüse und ab und an gab es Fleisch very well done. Und Omi kochte mir extraleckere Sachen, wenn ich damals Diät machte „weil das dünne Kind ja was essen muss“.

Die Zeiten wo ich essen konnte was und wieviel ich wollte sind leider vorbei. Nun gilt es eher den ungesunden Sünden zu entkommen wie Chips und Schoki, Frittiertem und Sahnesößchen um zumindest das Gewicht zu halten, wenn nicht zu verringern, wobei ich noch Glück habe, adipös bin ich nicht so wie ein Großteil der Menschen, die Zugang zu billigen verarbeiteten Lebensmitteln haben und deren Belohnungssystem von deren Inhaltsstoffen fies ausgetrickst und manipuliert wird, aber 10 Kilo weniger dürften schon sein.

Chris Van Tulleken der Autor von „Gefährlich lecker“ hat HVL, also hoch verarbeitete Lebensmittel als die Geißel unserer Zeit ausgemacht und er kann das sehr amüsant und absolut überzeugend auch wissenschaftlich belegen. Was da ans Licht kommt, so vieles was mir bisher, obwohl wie ich dachte ernährungstechnisch gut informiert, nicht klar war, ist verheerend, erschreckend und rollt einem die Fußnägel auf.

Es geht, wie immer um Profit. Die Konzerne sind ihren Shareholdern verpflichtet, produzieren so billig wie möglich und versuchen ihren Absatz fortwährend zu steigern. Dass letzten Endes auch unser Überleben auf diesem Planeten auf der Kippe steht; die Lebensmittelindustrie verursacht Monokulturen, Brandrodung und trägt in hohem Maße zum Klimawandel bei, vor allem aber ist sie für den unfassbaren Anstieg von Adipositas gerade beim ärmeren Bevölkerungsteil verantwortlich und für Diabetes bei Kindern. Wie das funktioniert ist in „Gefährlich lecker“ faszinierend nachzulesen.

„Die meisten HVL sind keine Lebensmittel. Sie sind industriell hergestellte essbare Substanzen.“

Geschätzt, laut einem der dazu befragten Wisenschaftler, gibt es in den USA rund 10 000 Stoffe, die Nahrungsmitteln zuhgesetzt werden dürfen. Die Unbedenklichkeitseinstufung nimmt die Industrie selbt vor. Die FDA hat kaum die Ressourcen diese zu überprüfen. Das ist ziemlich widerwärtig aber es kommt noch übler. Großkonzerne sehen den Markt in den westlichen Zivilisationen als fast gesättigt an und expandieren.In Entwicklungsländern. Unter dem Titel „Nestlé holt dich an Bord“ schipperte ein schwimmender Supermarkt mit elf Angestellten Hunderte Kilometer flussaufwärts zu den entlegendsten Gemeinden in Amazonien und versorgte dort rund  800 000 Menschen mit Nestlé-Produkten.“  Die Auswirkungen dieser Marketingkampagne sind erschreckend zu lesen.

Wer sich gesund ernähren möchte und es sich leisten kann wendet sich vom Industriefraß unbedingt ab. Weshalb ist sehr eindrücklich und dennoch niemals ermüdend in van Tullekens Buch nachzulesen. Ich kann es nur wärmstens weiterempfehlen. Es liest sich wirklich wie ein guter dystopischer Horrorthriller und die Challenges die der Autor vorgelegt hat, sind eventuell ein Ansporn für gutes, selbstgemachtes Essen. Zumindest weiß man was die guilty pleasures beinhalten die man so nebenher snackt.  

Bon Appetit

Gefährlich lecker von Chris van Tulleken ist im Mai 2023 bei Heyne als Hardover erschienen. Weitere Informationen bei Klick auf das Cover oder auf der Verlagsseite.

4 Gedanken zu “Gefährlich lecker ein Sachbuch-Horrorthriller

  1. Ja, wobei es den Alltag einschränkt, diese Warnung geb ich dir mit. Unsere Stammeissorte essen wir jetzt nimmer und ich beäuge noch kritischer als zuvor meine potentiellen Einkäufe. Ich empfehle es trotzdem wärmstens. van Tulleken kann unterhaltsam schreiben

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