Blut, Schweiß und Dreck

der-gottbettler-072473455„Ich hatte gehofft, diese schlechte Angewohnheit, den Helden zu spielen, längst abgelegt zu haben. Helden sind Idioten und meist haben sie ein relativ kurzes Leben.“

Einen richtigen „Helden“ gibt es im Gottbettler auch nicht. Du Leser lass alle Hoffnung fahren und lese Dich ein in die düstere, graue Welt des Gottbettlers. In dieser Welt reden die Menschen nach ihrer Schnauze und haben auch keine Hemmungen zu vögeln, zu fluchen, und unbeherrscht zu sein. Alleine durch den erlernten Zynismus kann man sich unbeschadet durch diese Welt bewegen.

Am Anfang lernen wir drei Charaktere kennen, die unterschiedlicher nicht sein können. Rudynar Pole lebt in einem kleinen Dorf und ist dem Alkohol und den Frauen zugetan, als die Armee des Gottbettlers vor den Toren steht. Die alte Terca lebt bei den steilen Klippen, an denen sich täglich viele in den Tod stürzen, auch sie vernimmt die Rufe und sehnt sich nach Ruhe. Pirmen ist ein Magicus und hat eine fast unmögliche, geheime Aufgabe jemanden zu finden. In allen steckt mehr als es der erste Anschein vermuten läßt und alle drei verbindet ein Ziel – den Gottbettler aufzuhalten. Die Armee des Gottbettlers zieht über die Lande und verschlingt eine Stadt und ein Reich nach dem Anderen. Getrieben von menschlichen und unmenschlichen Truppenteilen, angeführt von dem glorreichen Metcairn Nife und seinem versoffenen Rechten und der scheinbar unbesiegbaren Linken.

Was Michael Turner in seiner – für Fantasyverhältnisse kurzen – Geschichte reinpackt, das strotzt nicht nur vor fantastischen Ideen, sondern ist auch von einem harten Realismus durchtränkt. Das Glanzstück bleiben seine Roamnfiguren, wie die alte Vettel Terca, die es durchaus aber verstehen kann ihre Weiblichkeit einzusetzen.

„Es hatte alles keine Bedeutung. Wichtig war einzig und allein sein Geist, der in diesen Augenblicken angreifbarer war als zu jeder anderen Gelegenheit. Sie waren ja so leicht zu beeinflussen, diese Vertreter des vorgeblich stärkeren Geschlechts.“

Sie ist eine der wenigen die über den Dingen steht, in dem so verschiedenartigen Team: „Niemand hat einen Auftrag, dachte sie. Wir fühlen uns bloß aneinander gebunden. Wir folgen Spuren, die andere Leute gelegt haben und tanzen wie Marionetten an Schnüren, die ein Toter bewegt.“ In dieser Welt bleibt auch den Figuren nichts erspart, sorgsam geht Turner nicht mit ihnen um. Teils hat man das Gefühl sie entgleiten ihm und führen ein Eigenleben, die Wendungen bleiben bis zum Schluss unvorhersehbar. Der Schluss birgt das Problem in sich – wie es eben die Geschichte zeigt.

„Aber es interessiert sich niemand für alte Geschichten. Wir sind zu dumm um aus der Vergangenheit zu lernen.“

Kurz hart und direkt ist auch die Sprache, die dem ein oder anderen vielleicht zu vulgär vorkommen wird, für mich aber genau die richtige Mischung hat. Auch der Rhythmus der Geschichte ist genau richtig, über allem schwebt eine geschickt eingefädelte Mystik, die die Spannung aufrecht erhält.

Turner hat das Rad zwar nicht neu erfunden, es ist aber ein Fantasy Buch was anders ist und bei dem ein oder anderen weichgespülten kuschligen Vampir-fantasy-Leser ein ungutes Gefühl hervorrufen wird und somit auch Ablehnung. Ich habe diese lakonische und zynische Art geliebt zu lesen und für mich ein absolutes Fantasy Highlight und deutlichste Leseempfehlung.

Buchdetails

3 Gedanken zu “Blut, Schweiß und Dreck

  1. Ja, das sehe ich auch so: interessante Figuren und eine Geschichte, die über Grenzen geht.
    Ich hatte das Buch als Geschenk gekauft, das ich, mit dem anfänglichen Wiederstand, erstmal selbst gelesen habe, und ich bin mal gespannt, was der so beschenkte Fantasy-Fan dazu sagt.

    Gruß von Frida

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  2. Ja, heftig trifft es, da muss man schon manchmal schlucken! Man wird aber durch eine etwas andere Fantasygeschichte belohnt, die mit interessanten Figuren und einer nicht alltäglichen Geschichte aufwartet.

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  3. Ganz schon heftiger Lesestoff. Am Anfang war ich schon nah am aufgeben, habe dann aber doch durchgehalten.
    Faszinierend, was in und hinter den Figuren so ganz allmählich zum Vorschein kommt.

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