Ann Leckies Roman „Der Rabengott“ ist wunderschön aufgemacht. Ein mit Federn bedruckter Schnitt, erhabene Schrift und Zeichnungen auf dem Schutzumschlag, ein hilfreiches Lesebändchen und ein gemalter Einstieg in einzelnen Worten, dereigentlich bereits die gesamte Geschichte beinhaltet. Das weiß man aber erst nach Beendigung der Lektüre.
Der allwissende Erzähler berichtet aus unterschiedlichen Perspektiven. Zum einen die Geschichte der Götter, in der der Steingott eine hervorgehobene Rolle spielt und zum anderen erzählt er die Geschichte des jungen Eolo der Marwat dem Sohn und Erben des Stadthalters der Iraniden dient und mit seinem Herrn frisch aus kriegerischen Grenzscharmützeln in die Stadt eilt denn der Stadthalter wird sterben und Marwat soll seinen Platz einnehmen. Doch es gibt Götter, unter anderem den Rabengott welcher die Hauptstadt beschützt und sie veranstalten Machtspielchen in welchen sie ihre Anhänger instrumentalisieren.
Religion war noch nie meines, hier zeigt sie wieder ihre unangenehme Seite. Sie schmiedet ihre Anhänger zusammen und letztendlich entzweit sie die Menschen. Immer geht es um Macht, so auch in diesem Roman, der sprachlich wirklich schön geschrieben ist durch die Erzählungen der Götter sogar philosophisch und faszinierend zeitlos, denn was ist Zeit für Wesen die normalerweise nicht sterben können. Ihre Anhänger, die ihnen Macht verleihen hingegen tun es zuhauf in den Scharmützeln die sich Götter liefern und es zeigt sich, dass hier ein ausgeklügelter Plan hinter den ganzen Ereignisssen steht dem Eolo versucht auf die Schliche zu kommen.
Der großartige Patrick Rothfuss hat sich begeistert über „Der Rabengott“ geäußert, sprachlich und erzählerisch ist er gut gemacht, die Geschichte ist außergewöhnlich und gut erzählt und dennoch wurde ich mit diesem High-Fantasy-Roman nie ganz warm. Es war spannend zu erfahren wie sich die Geschichte entwickelt, aber der Sog blieb aus. „Der Rabengott“ ist kein Roman in dem man versinkt er ist eine gut erzählte Fantasy-Story deren Protagonisten einem nicht nahegehen und das ist es was ich hier schmerzlich vermisst habe. So grandios die Geschichte der Bewusstwerdung des Steingottes ist, mit den Charakteren die der Geschichte Farbe und Leben einhauchen sollten habe ich gefremdelt. So lässt mich dieser Roman, der immerhin auf der Shortlist für den Hugo-Award stand seltsam ungerührt zurück.
Der Rabengott von Ann Leckie ist als Hardcover mit Schutzumschlag im März 2024 bei Hobbit- Presse Klett-Cotta erschienen. Weitere Informationen bei Klick auf das Cover oder auf der Verlagsseite.
