Authentisch griechisch und modern

Woran es liegt, dass Griechenland schon immer so etwas wie ein Sehnsuchtsort für mich war, kann ich nicht sagen. Die griechische Küche, die ich dann in meinem ersten und bisher leider auch letzten Griechenlandaufenthalt kennen lernen durfte, war tatsächlich wenig von Fleichgerichten geprägt. Ganz im Gegensatz zu dem, was meist in Deutschland als typisch griechisch auf den Teller kommt. Deshalb und weil mein damaliger Urlaub leider etwas abrupt endete, ich aber nach wie vor eine gewisse Sehnsucht dorthin zurückzukehren verspüre – es könnte an der Schönheit der griechischen Sprache, der Zugewandtheit der Menschen und natürlich den vielen schönen Orten und dem leckeren Essen liegen – stach mir natürlich sofort das im AT Verlag erschienene Kochbuch „Sonne und Meer auf dem Teller“ von Lazaros Kapageorglou ins Auge. Ich folge ihm schon seit einiger Zeit auf Instagram, wo der gelernte Koch und Patissier mit Auslandserfahrung regelmäßig Proben seiner Künste präsentiert. Immer sympathisch und immer so, dass man denkt „das probiere ich auch“. Als „Sonne und Meer auf dem Teller“ bei mir ankam, musste ich sofort darin blättern und hing gleich fest – nicht nur die tollen Fotos hatten es mir angetan, sondern auch die persönlichen Geschichten und die informativen Texte zu den Zutaten und Gerichten.

Tatsächlich habe ich mich dann auch gleich an ein Gericht gewagt, das mich sonst wohl eher abgeschreckt hätte, wäre es nicht so gut vorzubereiten gewesen. Einer der heißesten Tage stand in Berlin an, es war Samstag, am nächsten Tag sollten Hitzerekorde geknackt werden und wir wollten mit den Rädern raus an den kleinen Müggelsee, um der Betonhitze der Stadt, die auch bei uns in Köpenick zu spüren ist, zu entfliehen. Um den Tag an der Badestelle gut auszuhalten, brauchte es mehr als nur genug zu trinken. Und so entschied ich mich, ein paar der Gerichte gleich einmal auszuprobieren. Zuallererst bereitete ich den Teig für Tiropita vor, ein Gericht, das überall in Griechenland zu finden ist. Mit Feta gefüllte Teigtaschen, die im Teig selbst ohne Triebmittel auskommen. Ob das gut gehen würde? Es ging und zwar so gut, dass ich nicht einmal dazu kam, Fotos davon zu machen … wie im übrigen von all den anderen Leckerein aus dem Buch, die mit an den Badestrand wanderten auch nicht. Der Teig musste ruhen, die Füllung war angerührt, also machte ich mich an das nächste Rezept: Keftedakia me diosmo – Hackfleischbällchen mit Minze.

Meine beiden Männer essen gerne Gemüse und fleischlose Gerichte, aber für solch einen langen Tag draußen brauchten sie etwas Fleisch. Kleine Hackfleischbällchen ließen sich da gut vorbereiten und eben auch gekühlt essen. Anstelle des gemischten Lamm-/Rinderhacks habe ich, wie auch im Rezept empfohlen, Bio-Rinderhack genommen und den Knoblauch weggelassen, was dem ganzen Gericht jedoch keinen Abbruch tat. Und anstelle der Tomatensoße, die gerne dazu gereicht wird, ein großes Glas Tsatsiki (dazu später noch eine Lobeshymne) in die Kühltasche gepackt. Wie im Buch beschrieben, macht die feine Säure des Essigs und die Frische der Minze die Fleischbällchen zu einem wahren Genuss, der nichts mit herkömmlichen Frikadellen zu tun hat.

Tsatsiki habe ich schon als Kind geliebt, wenn meine Oma aus unserem, mittlerweile an eine griechische Gastronomenfamilie verpachtete, Gasthaus etwas zu essen holen ließ oder wir dort essen gingen. Es kam selten vor und war deshalb wahrscheinlich noch ein größerer Schatz für mich. Auch der Krautsalat, den Doula, die mit ihrem Mann die Wirtschaft über lange Jahre hin, bis zu ihrer Rückkehr nach Griechenland, bewirtschaftete, zauberte, hatte nichts mit dem zu tun, den ich im Supermarkt kaufen kann oder den meine Großmutter, die ja selbst über lange Jahre genau diese Küche betrieben hatte, zubereitete. Beides Gerichte, die ich auch heute noch sehr schätze, wenn es draußen warm ist und ebenfalls bis heute weiß ich nicht genau, ob Doula ihr tatsächlicher Name war oder nur von ihr der Einfachheit halber „eingedeutscht“ wurde. Unsere Familien aber waren sich stark verbunden und als ich den Unfall hatte, der besagten Griechenlandurlaub beendete, waren sie es, die nicht aufgaben, bis sie jemanden fanden, der in der Nähe der Klinik in Patras war und mir Essen und Getränke vorbeibrachte, sich selbst von meinem Gesundheitszustand überzeugte und meine Familie beruhigen konnte, dass ich nicht allzu schwer verletzt war.

Das Tsatsiki, das ich selbst ab und zu versuchte herzustellen, kam in keiner Weise an das ran, was ich kannte. Jetzt weiß ich auch weshalb – in keinem meiner kläglichen Versuche war weder Dill noch Zitrone bzw. weißer Balsamico als Zutat enthalten. Ich glaube, ich habe einfach selbst versucht, etwas zu produzieren, das zumindest wie Tsatsiki aussah. Auch ohne Knoblauch, wir sind da ein wenig mäkelig, wenn wir arbeiten müssen, ist die Variante aus dem Buch ein wahres Gedicht und passt hervorragend zu fast allem, was man sich vorstellen kann. Auch zu Fischstäbchen.

Zu guter Letzt musste noch ein Salat her – und da ich jetzt weiß, dass die griechische Küche vor allem aus Feta, Joghurt, Gemüse und Hülsenfrüchten besteht und mehr bieten kann als Fleischspieße und weiße Bohnen in Tomatensoße, habe ich mich für einen mega leckeren Grüne Bohnensalat mit Tomaten und Pinienkernen entschieden. Ich bin keine Freundin von Zitronenabrieb, habe mich aber sowohl hier als auch bei den Teigtaschen überwunden und es nicht bereut.

Was soll ich sagen? Der Badetag war ein sehr erfolgreicher, wir waren glücklich, satt, zufrieden und haben den Tag in vollen Zügen genossen. Das Essen reichte auch noch ein wenig länger, so dass wir gut versorgt waren. Immer wieder nehme ich das Buch zur Hand, lese die kurzen persönlichen Geschiten und trete damit kleine Kurzurlaube an. Das Buch ist mittlerweile übersät mit Klebstreifen, dort wo die Rezepte stehen, die ich unbedingt und ganz dringend nachkochen will. Alle sind gut beschrieben, leicht und nicht aufwändig nachzukochen. Die Zutaten fanden sich fast allesamt – bis auf das frische Gemüse – in der heimischen Küche und werden immer wieder genutzt. Ich freue mich sehr darauf, weitere Rezepte nachzukochen und danke Verlag und Autor für diese Fluchten aus dem Alltag von Herzen: Ευχαριστώ!

„Sonne und Meer auf dem Teller“ von Lazaros Kapageoroglou ist 2023 im AT Verlag bereits in zweiter Auflage erhältlich. Für mehr Infos zum Buch, ein Rezept aus dem Buch und eine Leseprobe kommt ihr per Doppelklick auf das im Beitrag abgebildete Cover oder über die Verlagsseite.

3 Gedanken zu “Authentisch griechisch und modern

  1. ui das muss ich der @katha_esskultur erzählen die sucht schon länger nach einem guten griechischen Kochuch außer jenem dass wir mal beide in Griechenland gekauft haben und das nicht mal eine ISBN Nummer hat.

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  2. Liebe Claudia, ich habe mir ein Beispiel an den tollen Kochbpchern aus dem Abverlangen genommen, die häufig mehr als „nur“ Rezepte beinhalten. Ich danke Dir! Liebe Grüße, Bri

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  3. Liebe Brigitte,
    was für ein schöner Beitrag, in dem du persönliche Erinnerungen mit den Gerichten zusammenbringst. Und mir läuft das Wasser im M und zusammen.
    Viele Grüße, Claudia

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