Berliner Stadtblatt Nr. 16

Mittags friedlich in Schöneberg

Roland Wippke durchwandert gelassen seine Traumlandschaft, während er den zufriedenen Schlaf der kreativ Tätigen genießt.

Er hat die Nacht hindurch gearbeitet. Wie eigentlich jede Nacht, sofern er nicht auftritt. Doch selbst nach solch ereignissreichen Abenden kann er nur selten von der Tastatur lassen.

Ein Getriebener. Im Metier des entfesselten Schreibens, wie er es gern selbst benennt.

Auf die Frage hin, warum er denn nurmehr des Nachts schreibe, verweist Wippke auf jene schlimmen Überreizungen, die sich im Laufe eines jeden Tages einstellen und es ihm unmöglich machen, etwas Anderes als pamphletische Schmähungen zu verfassen.

Auf die jenen Texten innewohnende Haltung will er sich allerdings nicht beschränken.

Und zu seinem Glück bemerkte er bald, daß die Überreizungen verfliegen, sobald etwas feierabendliche Ruhe in der Stadt einkehrt. Also in der Regel ab 23 Uhr.

Dann erst öffnet sich etwas in ihm und er kann schauen und schreiben und wieder schauen. Ohne blockierende Reaktionen auf die akkustischen Begleiterscheinungen gängiger Alltäglichkeiten.

Warum er denn dann nicht das Weite suche, um dem Trubel der Stadt zu entgehen?

Wippke weiß, daß diese Frage eine logische Folge ist. Eine selbst erklärende noch dazu. Um eine angemessene Antwort nicht verlegen erkundigt er sich nach des Gegenübers Grund für dessen Wohnsitzwahl.

„Na, weil hier doch noch was los ist. Und haufenweise klasse Leute aus allen Herren Länder.“ ,weiß der Gefragte zu berichten.

Wippke nickt.

Mehr weiß ich allerdings auch nicht.

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