Sommerlese

Urlaubszeit ist für mich im besten Fall Lesezeit. Wie hier schon mehrfach erwähnt, habe ich lange Zeit unter einer Leseflaute gelitten, die ab und an durch das eine oder andere Buch die Lesesegel wieder ein wenig blähte und mein trudelndes Bücherschiff auf Kurs brachte. Im Urlaub erlaube ich mir manches Lockerlassen, das ich im Alltag (noch) nicht so richtig durchziehe. Ich habe festgestellt, wenn ich arbeite, habe ich das Gefühl, meine Lesezeit, die dann oft auf die Fahrt  zur Arbeit und zurück begrenzt ist, mit etwas „Sinnvollem“ zu verbringen. Paradoxerweise tritt dann aber meist genau das Gegenteil ein und ich wische ziellos auf meinem Smartphone herum, häufig ausgelöst davon, dass die S-Bahn mal wieder nicht so fährt, wie sie laut Plan sollte und ich nach Auswegsrouten, die mich nicht zu viel Zeit kosten, suche. Habe ich die Route gefunden, lege ich das Mobilteil nicht weg. Tatsächlich tue ich das nun aktiv, Während meines Urlaubs, den ich aufgrund  verschiedener Umstände nicht wie spontan geplant mit dem Jungen in der Bretagne verbracht habe, ist ewtas passiert, das mich nun schon seit drei Wochen begleitet. Eine gewisse Ruhe und Leichtigkeit haben mich erfasst und die Capri-Krimi-Reihe von Luca Ventura hat einen eheblichen Anteil daran.

 

Eingestiegen in die Kriminalfälle, die Enrico Rizzi zusammen mit seiner Kollegin Antonia Cirillio löst, bin ich gleich bei Erscheinen des ersten Bandes Mitten im August 2020. Damals schon war die Lektüre für mich so etwas wie eine kleine Flucht nach draußen – obwohl zu der Zeit noch nicht einmal ansatzweise klar war, was uns alle in den nächsten Jahren beschäftigen und vieles verändern würde. Der zweite Band Bittersüße Zitronen zog bereits gleich nach seinem Erscheinen (2021) in mein Regal und blieb dort neben dem im Jahr 2022 erschienen In einer stillen Bucht bis zu meinem Urlaub vor ein paar Wochen stehen. Irgendwie war nie so recht der Augenblick zu dieser Art von Eskapimismus gegeben zu sein. Auf meiner Suche nach Urlaubslektüre, die mich ein wenig in südlichere Gefilde und weg aus dem Alltag bringen sollte griff ich also vor ein paar Wochen ins Regal und vertiefte mich in die Geschehnisse auf Capri.

Luca Ventura ist das Pseudonym eines Deutschen auf Capri lebenden Menschen. Sein Lokalkolorit bezieht er also aus dem eigenen Leben, was die Krimis authentisch wirken lässt und gleichzeitig die Möglichkeit bietet, gesellschaftliche Vorgänge en passant einzuflechten. Jeder Mordfall, den Rizzi und Cirillio in den bereits fünf Romanen aufklären – und das zumeist durch die offiziell zuständige Mordkommission Neapel an der kurzen Leine gehalten – hat viel Hintergrund. Es gibt für uns Leser*innen mehrere Optionen was die Tatverdächtigen angeht und in jedem der Fälle hat mich die letztendliche Auflösung überrascht. Ab und an handelte es sich nicht um aktiven Mord, sondern eher um die Unterlassung von HIlfeleistungen. Plausible Gründe für das Handeln der unterschiedlichen Personen findet Ventura jedes Mal wieder. Häufig liegen diese zwar in der Vergangenheit begraben, doch zeigt sich bei der Aufdeckung derselben, dass eben nicht immer alles vergeben oder gar vergessen werden kann.

Mich haben alle fünf Bände überzeugt, gut unterhalten und miträtseln lassen – und das auf Augenhöhe. Bücher, die mir etwas zu sehr unter die Nase reiben wollen, liegen mir nicht. Die Luca-Venture-Capri-Krimireihe hat mir richtig gut getan, mich entführt auf diese wunderbare Insel, auf der eben auch nicht alles Gold ist was glänzt und die allgemeinen planetarischen Umwälzungen, denen wir gerade alle irgendwie ausgesetzt sind, ebenso ankommen, wie auf dem Festland. Nur gut, dass die Capresen sich auf das konzentrieren, was sie ändern können und meist kühlen Kopf bewahren.

Die einzelnen Krimis, die alle im Diogenes Verlag erschienen sind, werde ich euch demnächst noch einmal kurz inhaltlich vorstellen.

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