Das Sterben der Bienen?

„… um in der Natur und mit der Natur zu leben, müssen wir uns von der eigenen Natur entfernen. Bildung handelt davon, sich selbst zu trotzen, der eigenen Natur, den Instinkten zu trotzen…“

Was bläht sich der Mensch doch in seinem Menschsein auf. Er bildet sich was ein auf seinen Intellekt; seitdem er von den Bäumen und mit Hilfe des Feuers aus den Höhlen kroch, hat er sich die Natur untertan gemacht. So wie es auch in dem Nummer Eins Bestseller steht. Doch hat der Schreiber auch die ökologischen Katastrophen der heutigen Zeit vorausgeahnt? Ist dies im Sinne des Schreibers, des Erfinders, Gott? Nun Gottes Wege sind unergründlich und ich komme mir als heutiger Mensch langsam wie ein schlechte Anomalie der Natur vor.

Bienen waren für mich im Teenageralter, gerade im Spätsommer, eine Plage. Ich kann mich an einen Sommer erinnern, in dem ich sieben Mal gestochen wurde. Noch im letzten heißen Sommer sind mir gerade die Wespen gehörig auf die Nerven gegangen. Doch noch mehr hat mich das schleichende Sterben der kleinen gefleckten Insekten erschreckt. Denn Bienen habe ich immer seltener die Jahre gesehen.

Maja Lunde hat ihr erstes von vier Büchern über die Umwelt, dem Bienensterben gewidmet, auch CCD Colony Collapse Disorder genannt, das zweite Buch über Wasser ist schon im Handel. Im vorliegenden Buch verknüpft sie drei Zeitlinien zu einer Geschichte, die sie sanft, aber ab der Mitte des Buches vorhersehbar, zusammenführt. Die einzelnen Geschichten wechseln in kurzen Kapiteln ab, sodass ich mich als Leser sehr schnell in den verschiedenen Ebenen zurechtfinden konnte. Eine Zeitebene spielt in der viktorianischen Zeit, 1852, in England, eine 2007 in Ohio und die dritte 2098 in China.

In England erfindet der Wissenschaftler William Savage ein neuartiges Bienenhaus, bei dem der Honig leichter zu ernten ist. Er kämpft gegen seine Krankheit und Lustlosigkeit in seinem erschöpfenden Leben an. 2007 wird der Imker George Savage (die Namensgleichheit zeigt den weiteren Verlauf an) mit dem Beginn des Bienensterbens und seiner eigenen Hilflosigkeit konfrontiert. Im Jahre 2098 sind die Bienen schon ausgestorben und die Menschen bestäuben die Obstbäume in mühsamer Arbeit selbst. Die Arbeiterin Tao wird aus ihrem ruhigen, arbeitsreichen und kargen Leben mit ihrer Familie durch ein seltsames Ereignis gerissen.

Maja Lunde hat eine sehr sanfte Art zu schreiben; ohne mahnenden Zeigefinger oder kritische Seitenhiebe verzaubert sie den Leser mit einer einfachen Sprache. Durch die kurzen Kapitel bin ich schnell in dem Buch gelandet und die Seiten flogen nur so dahin. Dies hat auch viele Leser auf der Welt erreicht, die sich sonst nicht mit dem Thema auseinandergesetzt hätten. Das Buch landete in vielen Foren auf Platz eins und auf vielen Bestsellerlisten. Ein Buch, das für mich hart am Rande des Kitsches war, doch ihn nie überschritten hat. Für mich sind solche Bücher auch wichtig, da sie die breite Masse besser erreichen als kritische und komplexere Bücher.

Das Bienensterben hat Europa und die USA schon erreicht, doch laut Wikipedia ist dies nicht überall auf der Erde so:

„Insgesamt stieg die Zahl der kommerziellen Bienenstöcke nach FAO-Angaben zwischen 1961 und 2007 um ca. 45 % an. Während die Zahl in Nordamerika (−49,5 %) und Europa (−26,5 %) sank, nahm sie in Asien (+426 %), Afrika (+130 %), Südamerika (+86 %) und Ozeanien (+39 %) zu. Innerhalb der Regionen zeigten sich ebenfalls erhebliche Divergenzen; beispielsweise nahm die Zahl in Finnland, Kanada und Spanien erheblich zu, während sie in Deutschland, Schweden und den USA sank.“

Nichtsdestotrotz ist dieses Phänomen der schludrigen Art des Menschen mit der Natur zu verdanken. Darüber gilt es nicht nur nachzudenken, sondern auch zu handeln!

Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde ist im März 2017 bei Btb erschienen. Für mehr Informationen zum Buch Klick auf das Cover oder direkt auf die Verlagsseite.

4 Gedanken zu “Das Sterben der Bienen?

  1. Liebe Bri,
    tatsächlich lese ich lieber Sachbücher zum Thema Mitweltschutz & Natur, was sich ja auch in meinen Blog- Abteilungen „Natur & Ökologie, Nachhaltigkeit und Bienen & Co“ ausführlich zeigt.
    „Wasser“ von Maja Lunde habe ich noch nicht gelesen und bin auch noch unentschieden, ob ich es überhaupt lesen will. Vielleicht warte ich einfach noch eine Rezension von Eurer Webseite ab …
    Liebe Grüße
    Ulrike

    Gefällt mir

  2. Hallo Ulrike, danke für den Link zu deiner wirklich ergänzenden und ausführlichen Rezension. Sicher hätte dem Buch ein wenig mehr bewußtseinsbildene Information nicht geschadet, doch finde ich gerade weil die Autorin dies nicht eingeflochten hat, sondern nur auf der empathischen Ebene blieb, ist das Buch ein hervorragender Einstieg in ein Bewusstsein einer sich verändernden Umwelt und den daraus hoffentlich folgenden Aktionen, die dies verhindern. Das Wasserbuch werde ich mir auch zur Brust nehmen, habe schon gehört, dass es eindringlicher geworden ist.

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  3. Liebe Ulrike, danke für den Link – das ergänzt wunderbar die Sicht auf das Buch. Vielleicht war sie sich zu diesem Zeitpunkt etwas unsicher, was die Vehemenz ihres Vorgehens angeht. Sie hat das Ganze ja als mehrbändige „Reihe“ angelegt. Kennst Du „Wasser“ von ihr? Und wenn ja, ist sie da anders vorgegangen, das würde mich sehr interessieren. Liebe Grüße, Bri

    Gefällt 1 Person

  4. „Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter.
    Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat,
    sich selbst zu beherrschen.“

    -Albert Schweitzer-

    Heute ist allgemein bekannt, daß unser aller Ernährung von der unermeßlichen Bestäubungsleistung der Honig- und Wildbienen sowie diverser weiterer Bestäuberinsekten abhängt. Es gibt viele gute und wissenswerte Sachbücher und Dokumentarfilme zu diesem Thema. Damit aber dieses Wissen vom Kopf ins Herz gelangt, ist ein Roman vielleicht besser oder massentauglicher geeignet, da dieses Wissen auf eine personalisierte Weise emotional dargestellt wird. Da sind wir uns in der Einschätzung der naturschutz-nützlichen Wirkung dieses Romans also einig.

    Gleichwohl finde ich, daß die Autorin durchaus noch mehr aufklärend-bewußtseinsbildende Informationen in die Handlung hätte einfügen können. Denn den lebensgefährlichen Einflußreichtum gewisser monopolistischer Chemie- und Saatgutkonzerne auf Gesetzgebung und landwirtschaftliche Gestaltung demokratischer Staaten sowie das damit verknüpfte Verharmlosungsmarketing bezüglich bienen-gefährdender Substanzen, hätte die Autorin nach meiner Einschätzung ruhig etwas deutlicher darstellen können. Sowohl bei Taos historischen Bienenrecherchen wie bei Georges gegenwartsnahem Erzählstrang wäre in dieser Hinsicht noch informativer Spielraum gewesen.

    Wenn Du magst, findest Du nachfolgend meine Rezension:
    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2017/09/07/die-geschichte-der-bienen/

    Mit verbindlicher Empfehlung
    Ulrike

    Gefällt 3 Personen

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